Die feige Wissenschaft

Die etablierten Wissenschaften haben, obwohl man nicht behaupten kann, dass es so etwas wie eine allgemeine „wissenschaftliche Methode“ gäbe, die Fähigkeit ausgezeichnet Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten von Phänomenen zu erkennen, die regelmäßig in Erscheinung treten. Auf der anderen Seite ignorieren sie geflissentlich Ereignisse und Beobachtungen, die nicht in ihr Weltbild passen und nicht auf Knopfdruck herbeigeführt werden können.
Als Parodie darauf entwickelte beispielsweise der französische Schriftsteller Alfred Jarry das Konzept der ‘Pataphysik. Die Idee, dass es eine Wissenschaft geben könnte, die sich nicht mit der Regelhaftigkeit der Welt beschäftigt, sondern mit ihren kontingenten Merkmalen.
Von Geistererscheinungen und außersinnlicher Wahrnehmung über Bigfoot und UFOs bis zu Exorzismen und dem Grabtuch von Turin, die so auf Vernunft bedachten Wissenschaftler entwickeln, angesichts dieser Beobachtungen, Theorien, die die begabtesten Verschwörungstheoretiker verblassen lassen. Wenn es um übernatürliche oder auch nur ungewöhnliche Vorfälle geht, wird der gesunde Menschenverstand von ihnen gerne bedenkenlos über Bord geworfen. Es gibt eine endlose Reihe an Beispielen mysteriöser Vorkommnisse, die von Wissenschaftlern trivialisiert werden.
Wenn man sich einmal intensiver mit der Thematik des Paranormalen und der Kryptozoologie beschäftigt, wird einem jedoch schnell klar, dass an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten zweifellos Unerklärliches vor sich geht.

maxresdefault
Standbild aus der Videoaufnahme eines weiblichen Bigfoots von Roger Patterson, 1967.

Eines der größten Rätsel ist beispielsweise der Dyatlov-Vorfall im russischen Uralgebirge. 1959 starb eine Gruppe von neun erfahrenen Bergsteigern bei der Überquerung des Berges Cholat Sjachl (mansisch für „Berg der Toten“) unter mysteriösen Umständen. Ihr Zelt war eingestürzt, von innen aufgeschlitzt und die Fußspuren der Gruppenmitglieder im Schnee führten von der Stelle weg. Die Leichen wurden rund 1,5 Kilometer entfernt gefunden, in Unterwäsche und barfuß oder nur mit Socken an den Füßen. Die Temperatur in der entsprechenden Nacht betrug -25 bis -30 Grad Celsius. Zudem sind die drei Personen, die nicht durch Erfrieren ums Leben gekommen sind, durch extreme Gewalteinwirkung auf Knochen und innere Organe, vergleichbar mit einem Autounfall, getötet worden, nachdem sie das Zelt verlassen hatten, allerdings zeigten sie keinerlei entsprechende äußeren Verletzungen. Untersuchungen stellten Spuren von Radioaktivität fest und Aussagen von Zeugen berichteten von fliegenden Leuchtkugeln am Himmel über dem Berg in der Nacht als die Bergsteiger starben. Sichtungen dieser Kugeln, einschließlich vom Wetterdienst und dem Militär, hielten für längere Zeit an.
Die Erklärung, die Wissenschaftler gaben, war, dass eine Lawine für die ganze Situation verantwortlich gewesen sei. Fall abgeschlossen! Dass es nicht die geringste Spur einer Lawine gab als die Suchexpedition eintraf, ganz im Gegenteil sogar eine Menge Fakten gegen diese Theorie sprechen, und weder jemals zuvor noch danach eine Lawine dort beobachtet wurde, ist dabei anscheinend zweitrangig. Weitere „wissenschaftliche“ Interpretationen des Vorkommnisses sind Infraschall, der die Gruppe in den Wahnsinn getrieben haben soll, „Paradoxical Undressing“ (ein Phänomen, das bei Unterkühlung auftritt und dazu führt sich zu entkleiden) und geheime Militärtests. Der offizielle Leiter der damaligen Untersuchung, Lev Ivanov, der mit allen relevanten Umständen und Indizien vertraut war, äußerte hingegen privat seine Überzeugung, dass Außerirdische für den Tod der neun Bergsteiger verantwortlich waren. Seinen Untersuchungsbericht schloss er mit den Worten, dass eine „unknown compelling force“ die Gruppe ums Leben gebracht hätte.
Andere gut dokumentierte Vorkommnisse sind das Auftauchen des sogenannten Jersey Devil, eine Art geflügelter Dämon, das von tausenden Augenzeugen im Jahr 1909 bestätigt wurde, und des geisterhaften Mothman von 1966 bis ’67 in Point Pleasant. Letzteres war Inhalt des Spielfilms The Mothman Prophecies mit Richard Gere. In beiden Fällen wurde der Kanadakranich von Wissenschaftlern für die unzähligen Sichtungen von fliegenden menschenähnlichen Kreaturen verantwortlich gemacht. Wie kann man glauben, dass hunderte von Beobachter große Vögel für Monster halten?
Oder die Vorkommnisse im Hoia Wald in Rumänien, der nur einer von vielen ernstzunehmenden Spukorten auf der ganzen Welt ist. Menschen werden dort unter anderem wie von Geisterhand durch die Luft geschleudert.

Das Problem ist, dass Mainstream-Forscher „Ockhams Rasiermesser“ ernst nehmen. Die Idee, dass diejenigen Theorien vorzuziehen sind, die mit weniger Annahmen auskommen. „Annahmen“ sind natürlich immer nur solche Vorstellungen, die nicht bereits Teil des anerkannten Systems von Überzeugungen sind. Eine ganz ähnliche Herangehensweise impliziert der viel zitierte Ausspruch „Extraordinary claims require extraordinary proof“. Dass ein solcher Leitsatz zutiefst benachteiligend gegenüber revolutionär neuen Sichtweisen ist, wird meist ausgeblendet. Warum sollte die Bestätigung einer Theorie mehr Beweise erfordern als die Bestätigung einer anderen? Der Urheber dieses Satzes, Marcello Truzzi, Soziologe und Gründer der Skeptiker-Vereinigung, hat diese Formulierung deshalb später bereut und sich deutlich von ihr distanziert. Die Skeptiker-Bewegung hat er schnell wieder verlassen, da die Arroganz der Beteiligten unerträglich wurde. Er nannte die Mitglieder von da an „Pseudoskeptiker“.
Die Radikalisierung der Wissenschaft durch solche „Pseudoskeptiker“ á la Richard Dawkins und Co. ist ein relativ junger, aber sich enorm beschleunigender Prozess. In einer Umfrage unter Wissenschaftlern des American Institute for the Advancement of Science ergab 1982, dass 29 Prozent der Teilnehmer von der Existenz außersinnlicher Wahrnehmung überzeugt waren. Weniger als zehn Jahre später, im Jahr 1991, fand eine andere Studie an der National Academy of Sciences heraus, dass nur noch vier Prozent der Wissenschaftler daran glauben. Nur zehn Prozent gaben an, dass es in ihren Augen überhaupt Sinn machen würde das Phänomen zu untersuchen. So unglaublich es klingt: 90 Prozent der Forscher behaupten, dass es sich nicht einmal lohnt die Existenz solcher Vorkommnisse in Betracht zu ziehen! Was ist aus der Neugierde für das Unbekannte geworden? Sind sie tatsächlich so gefangen in ihrer liebgewonnenen Weltsicht?

5546e1a9e700d50abb7a78d940f0d8a7
Bild mit Zitat zu dem brillanten Film Interstellar.

Auch das Princeton Engineering Anomalies Research Institut hat 2007 nach fast 30 Jahren seine Pforten geschlossen. Wissenschaftliche Anerkennung hat die dortige parapsychologische Forschung, trotz beeindruckender Resultate, nie erhalten. Eine der Kritiken, die gegen die Experimente vorgebracht wurde, war sogar, dass zu viele (!) Personen daran teilgenommen hätten und die Statistik dadurch nicht mehr verlässlich wäre. Das ist vor allem dann der Gipfel der Absurdität, wenn man bedenkt, dass Forschungsprojekte in der Regel dafür gerügt werden, eine zu geringe Stichprobengröße zu haben. Diese Bemängelungen sind ganz einfach, wie die meisten anderen Einwände gegen solche Ergebnisse, eine Verlegenheitslösung. Wenn man nicht mehr weiß, was man an einer Studie aussetzen kann, dann wird in der einen oder anderen Form wieder das altbekannte „Extraordinary claims require extraordinary proof“ vorgebracht und damit ist sichergestellt, dass die Forderung niemals erfüllt werden kann.
Die Wissenschaft ist dazu übergegangen nicht mehr nur Vorkommnisse, die sie mit ihren gegenwärtigen Mitteln nicht beantworten kann, zu ignorieren, sondern sie leugnet die Möglichkeit, dass diese wahr sind, einfach grundsätzlich. Anstatt zu sagen, die Wissenschaft kann nicht beantworten ob es eine unsterbliche Seele gibt, wird es als unbestreitbare Tatsache hingestellt, dass so etwas nicht existieren kann. Anstatt zu sagen, wir wissen nicht ob es einen Gott gibt, werden Gläubige einfach als naiv, geistesgestört oder dumm dahingestellt.

Einer der Gründe dafür ist, dass ein Wissenschaftler und ein Denker zwei vollkommen verschiedene, ich würde sogar behaupten fast gegensätzliche Dinge sind. Ein hervorragender Wissenschaftler muss keineswegs ein tiefgründiger Denker sein. Und umgekehrt sind brillante Denker mindestens ebenso häufig miserable Wissenschaftler. Mit Denker meine ich hier die Form von intellektuellen Führern, wie sie vor dem Siegeszug der modernen Wissenschaften vorhanden waren: Schamanen, Priester, Philosophen etc. Während die reduktionistischen Forscher unseres Zeitalters mit dem Skalpell die Welt sezieren und ihre Bestandteile katalogisieren, werden die heute als überholt betrachteten holistischen Denker von Visionen und Intuitionen inspiriert. Durch die Brille der Wissenschaftler betrachtet man Erfahrungen in möglichst einfachen und bekannten Begriffen, so dass man daraus ein mit dem Rest des vorhandenen Weltbildes kompatibles Puzzleteil konstruieren kann. Durch die Brille des Denkers sieht man hingegen das Mystische und Unbekannte, ohne den Zwang zu verspüren es in bereits existierende Kategorien zu pressen. Das heißt keineswegs, dass Wissenschaftler nicht denken, aber das logische Denken der Wissenschaft ist mechanischer, steriler und vor allem konservativer als das zwanglose Denken spiritueller Menschen. Das „primitive“ kindliche Denken, das über die selbstverständlichsten Sachverhalte staunen kann, ist nicht daran interessiert ein konsistentes System zu entwerfen. Der Glaube an Wunder ist lebendig in ihm.
Natürlich soll das keine Aufforderung sein, jeder Wahnvorstellung hinterherzurennen, aber man sollte auch nicht allen glauben, die einem weiß machen wollen, dass sie die einzig richtige Antwort kennen. Ein gesundes Maß an Offenheit ist notwendig; für die Menschlichkeit und für den Fortschritt.

Doch das sogenannte Irrationale macht Wissenschaftlern und einem Großteil der Bevölkerung heutzutage Angst. Das betrifft das Verhalten ihrer Mitmenschen, aber auch unberechenbares Verhalten ihrer Umwelt im Allgemeinen. Man ist risikoscheu geworden.
William James hat in seinem bewegenden Text Der Wille zum Glauben folgendes geschrieben:

Biologisch betrachtet ist unser Geist ebenso bereit, das Falsche herauszubringen, wie das Wahre, und wenn jemand sagt: ‚Lieber bleibt für immer ganz ohne Glauben, als dass ihr eine Lüge glaubt!‘ – so zeigt er lediglich, dass bei ihm persönlich die Angst, angeführt zu werden, vorwiegt. Er mag sich vielen seiner Hoffnungen und Befürchtungen gegenüber kritisch verhalten, aber dieser einen Furcht gehorcht er sklavisch. Er kann sich nicht denken, dass irgendjemand ihre bindende Kraft in Frage stellen könnte. Ich meinesteils habe auch Angst vor dem Angeführt werden; aber ich kann mir vorstellen, dass uns in dieser Welt doch noch Schlimmeres zustoßen kann, als dies.

Die Anhänger der fundamentalistischen Wissenschaft können sich gegenwärtig anscheinend nichts Schlimmeres vorstellen. Das ist der Grund warum sie Theologen und Esoteriker bereits ins Lächerliche gezogen haben und immer häufiger auch die Philosophie angreifen. Weil es auf diesen Gebieten normalerweise nicht um empirisches Wissen geht, das vorhandene Annahmen unterstützt. Häufig geht es sogar primär um „verrückte“ Überlegungen, die es wagen den Status Quo in Frage zu stellen und versuchen alles was wir zu wissen glauben über den Haufen zu werfen. Der Wissenschaftler kann das nicht verstehen. Er muss eine Reihe autistischer Wesenszüge aufweisen, einen Hang zu geregelten Abläufen und stringenten Vorgehensweisen und eine Abneigung gegen zu radikale Veränderungen. Wohingegen der Denker schizophrene Charaktermerkmale mit tollkühnem und assoziativen Denken zeigen muss. Es scheint eher selten zu sein, dass beides zugleich besonders ausgeprägt in einem Individuum auftritt. Wir nennen das dann „Genie“.

6351870
Bild zu dem Film Kon-Tiki über Thor Heyerdahl, der mit einem Floß von Südamerika nach Polynesien fuhr um zu beweisen, dass dies schon vor 1500 Jahren möglich war.

In vergangenen Zeitaltern waren die Menschen Entdecker. Wir brachen auf zu unbekannten Ufern ohne zu wissen, ob diese überhaupt existieren. In winzigen Flößen auf unendlichen Ozeanen, ohne konkretes Ziel. Die Hoffnung allein war Grund genug zu glauben, dass uns dort draußen Neues erwartet. Die Forscher glaubten nicht nur an eine Welt jenseits des Horizonts, sondern auch jenseits der materiellen Welt.
Doch dieses Feuer in uns ist erloschen. Wir sind überzeugt im Großen und Ganzen alles zu wissen. Alles zu kennen.
Ludwig Wittgenstein sagte einmal:

Man has to awaken to wonder – and so perhaps do peoples. Science is a way of sending him to sleep again.

Das ist heute eine größere Wahrheit als je zuvor.
Wir brauchen Mythen. Denn Mythen ermutigen uns. Sie wecken uns aus der Apathie, die die Selbstzufriedenheit so leicht erzeugt.
Warum sollten wir das Unglaubliche erforschen? Warum sollten wir den Sprung ins Ungewisse wagen, gegen jede Chance?
Weil das Universum seltsamer ist als wir uns vorstellen können. Weil die Welt ein Geheimnis ist. Weil wir es können. Und weil es heißt zu leben.

Der Sommer war so wie dein Haus,
drin weißt du alles stehn –
jetzt musst du in dein Herz hinaus
wie in die Ebene gehn.
Die große Einsamkeit beginnt,
die Tage werden taub,
aus deinen Sinnen nimmt der Wind
die Welt wie welkes Laub.
Rainer Maria Rilke

Links:

http://www.worlditc.org/f_07_senkowski_analysis.htm

http://www.tcm.phy.cam.ac.uk/%7Ebdj10/propaganda/

https://www.scientificexploration.org/journal/volume-25-number-4-2011

http://www.campbellmgold.com/archive_esoteric/hopkinsville_goblins_aug_1955.pdf

http://dyatlov-pass.com/page.php?language_id=1&id=12786

http://theshadowlands.net/jd.htm

https://www.sott.net/article/229112-John-Keel-and-His-Adventures-into-Unreality

https://hoiabaciuforest.com/

http://motherboard.vice.com/read/the-scientists-who-believe-in-ghosts

https://blogs.scientificamerican.com/cross-check/brilliant-scientists-are-open-minded-about-paranormal-stuff-so-why-not-you/

https://blogs.scientificamerican.com/beautiful-minds/how-is-creativity-differentially-related-to-schizophrenia-and-autism/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s