Sachamama

Seitdem die ersten Expeditionen in das Amazonasgebiet sich ihren Weg durch den Regenwald kämpften, gibt es Berichte über Begegnungen mit gigantischen schlangenartigen Wesen. Es sind keine herkömmlichen Anakondas, die beschrieben werden. Die Kreaturen von denen erzählt wird, sind pechschwarze Zylinder so hoch wie ein Bus und bis zu 60 Meter lang. Detailliertere Beschreibungen ergeben das Bild von drachenähnlichen Monstern mit Hörnern, Tentakeln und dicken Panzerungen.
Was verbirgt sich hinter diesen Erfahrungen?

Augenzeugenberichte

Am 14. August 1997 ereignete sich in Nueva Tacna, einem abgelegenen kleinen Dorf im Norden Perus, etwas Unglaubliches.
Am Abend dieses Tages, als eine Gruppe von Dorfbewohnern sich zu einem Fußballspiel traf, begann der Erdboden plötzlich zu beben und ein gewaltiges Krachen war zu hören. Ein gigantisches Tier brach durch das Dickicht der Bäume und kroch aus dem Wald an den entsetzten Beobachtern vorbei. Es bahnte sich seinen Weg hunderte von Meter durch den dichten Dschungel, entwurzelte dabei unzählige Bäume und hinterließ einen rund einen halben Meter tiefen und zehn Meter breiten Graben. Die Hütten in dem nahegelegenen Dorf zitterten, Möbel wankten und Geschirr klapperte. Schließlich erreichte das mysteriöse Wesen das Ufer des Amazonas und tauchte in die Fluten. Es erzeugte dabei eine Welle, die mehrere leere Boote umwarf. Zwei Fischer, die in Panik von dem Getöse aus dem Dschungel weg gepaddelt waren, konnten sich gerade noch über Wasser halten. Der Fluss ist hier 500 Meter breit und 40 Meter tief.
Es war schrecklich!, erinnerte sich Luis Iluma, einer der beiden Fischer. Die lange schwarze schlangenhafte Masse trug auf ihrem Rücken eine Art gigantische Schale, die an mehreren Stellen am Rand wie ausgeschnitten war. Am Kopf saßen Tentakel wie Elefantenrüssel und große Ohren. Das Maul endete in einer stumpfen Schnauze.
Maximo Inuacari, der andere Fischer, hatte keine so gute Sicht auf die Kreatur. Er konnte nur sagen, dass sie aussah wie eine Schlange, aber es war unmöglich für ihn zu sehen ob sie nicht vielleicht kurze Füße, wie ein Kaiman, hatte.
Es wurde berichtet, das Tier sei circa fünf Meter hoch und 40 Meter lang gewesen und seine Augen hätten den Durchmesser von Autoreifen gehabt. Auf einem großen Teil seines Rückens wuchsen Pflanzen und kleine Bäume.
Das Dorf funkte sofort einen Hilferuf und kurze Zeit später kam Jorge Samuel Chávez Sibina, der Bürgermeister des Distrikts, mit einem Journalisten namens Carlos Villarreal zu dem Ort geflogen.
Sie hörten sich die Berichte der bestürzten Bewohner an und untersuchten die entstandenen Schäden in der Umgebung. Schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass hier etwas Unerklärliches stattgefunden haben muss.
Chávez Sibina wandte sich an Wissenschaftler weltweit mit der Bitte die Spuren vor Ort so schnell wie möglich zu untersuchen und rief das Militär zur Unterstützung.
Das Instituto de Investigaciones de la Amazonia Peruana (IIAP) und die Universidad Nacional de la Amazonía Peruana (UNAP) sandten jeweils ein Team von Wissenschaftlern. Ungeachtet mehrerer Aufrufe an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft, waren diese beiden Gruppen die einzigen, welche den Schauplatz besuchten.
Es wurden nichtsdestotrotz diverse absurde Erklärungsversuche von ausländischen Experten veröffentlicht. Es wurde zuerst vorgeschlagen, die Einheimischen hätten Baumaschinen mit einem riesigen Tier verwechselt. Ganz abgesehen davon, dass das eine Beleidigung der Intelligenz dieser Menschen darstellt, waren keinerlei Baumaschinen in der Nähe, da es sich um ein geschütztes Gebiet handelt und die dichte Vegetation kein Durchkommen für solche Geräte zulässt. Und wer würde seine teure Ausrüstung zudem geradewegs in einen Fluss fahren?
Die anderen „Lösungen“ für dieses Rätsel waren nicht weniger albern. Wahlweise wurde eine Überflutung oder eine Windhose vorgeschlagen.
Die zwei Teams, die sich vor Ort ein Bild der Auswirkungen machten, kamen zu anderen Schlussfolgerungen. Sie befragten die Bewohner zu dem Vorfall, einige von ihnen brachen in Tränen aus und erklärten, niemand habe sich seitdem mehr in die Nähe des Wassers gewagt. Außerdem analysierten die Wissenschaftler den Verlauf der Verwüstung und ein seismologisches Zentrum, 120 Kilometer entfernt, berichtete ihnen von einer sich „bewegenden Anomaliein ihren Aufzeichnungen zum Zeitpunkt des Vorfalls. Es wurden Luftaufnahmen von dem Ausmaß der Schäden gemacht und als Ursprung der Schneise konnte dabei ein riesiges Erdloch identifiziert werden, das mindestens 30 Meter tief hinabreichte.
Die Untersuchung kam zu dem eher ratlosen Ergebnis, dass „sich etwas Großes durch dieses Gebiet bewegt hat.“

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Luftaufnahme der Schneise die sich nach dem Vorkommnis durch den Dschungel wand.

Zwölf Jahre später, im nahe gelegenen Moronococha, geschah etwas noch Erschreckenderes. Im Juni 2009 wurde die Siedlung von einem Ungeheuer heimgesucht, das dort im Fluss hauste. Es zerstörte ein Stelzenhaus und fraß die Haustiere der Bewohner. Ein Fischer sagte aus, vorher seien innerhalb weniger Monate alle Fische verschwunden. Verantwortlich dafür machte er und andere Einwohner eine kleine dicht mit Pflanzen bewachsene Insel, die sich angeblich in der Nacht anfängt zu bewegen und Geräusche von sich zu geben. Das Ehepaar in dem betroffenen Haus erinnerte sich, dass sie einige Male zuvor schon lautes Stoßen gegen das Fundament gehört und dabei einen starken Reptiliengeruch wahrgenommen hätten. Als würde eine Schlange oder etwas Ähnliches urinieren.
Augenzeugen des Vorfalls berichteten, dass sich die Insel an diesem Tag plötzlich circa 40 Meter in die Richtung eines der Stelzenhäuser bewegt hätte und es rammte. Es riss das Gebäude aus der Verankerung, schob es noch rund 60 Meter weiter und zerstörte es dort vollständig. Dann kehrte die Insel zurück zu ihrem vorherigen Standort. Die Einzigen, die das Tier direkt sehen konnten waren die Bewohner des Hauses. Die anderen sagten, sie sahen nur etwas, das wie ein riesiger dunkler Baumstamm aussah.
Die Frau, die in dem Haus lebte, erklärt sie habe ein Bad genommen und dabei bemerkt wie ein gigantischer schwarzer Kopf mit Schuppen und Hörnern aus dem Wasser bei der Insel auftauchte. Die Augen der Bestie hätten die Größe von Suchscheinwerfern auf Booten gehabt. Als sie ihren Mann geholt hatte war das Geschöpf verschwunden. Sie flohen ins Haus, aber kurze Zeit später begann sich die Masse in dem Fluss langsam auf sie zuzubewegen. Der Ehemann schätze die Größe der Insel auf 200 qm.
Ein Floß, welches neben dem Stelzenhaus im Wasser trieb, wurde gegen die Holzsäulen gepresst. Die Hütte befand sich freistehend im Fluss und die einzige Möglichkeit zu entkommen war mit einem Kanu. Doch die Ehefrau war zu verängstigt um sich ins Wasser zu wagen. In letzter Sekunde zwang ihr Mann sie in ein Boot und steuerte es weg von dem kollabierenden Gebäude.

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Mysteriöser Graben der sich über Nacht in Juan Pablo gebildet hat.

Nur 1,3 Kilometer von Moronococha entfernt befindet sich das Dorf Juan Pablo. Im November des gleichen Jahres kam es hier zu einem weiteren Zwischenfall.
Während eines schweren Gewitters in der Nacht erschütterte etwas den Erdboden und hinterließ einen mehr als fünf Meter breiten Graben auf seinem Weg von einem Wasserloch in einen tiefen Sumpf. Die Bewohner sagten aus, dass sie schon vorher wussten, dass dort ein Ungeheuer lebt. Sie konnten regelmäßig die Erde beben fühlen als ob sich ein gigantisches Tier bewegen würde. Eine überdimensionale schwarze Schlange war zudem bereits in der Vergangenheit dort gesehen worden. Sie hatte eine ähnliche Spur wie in der Nacht im September 2009 hinterlassen.

Das sind nur einige relativ junge Berichte.
Es gibt zahllose Geschichten über schwarze Monsterschlangen im Regenwald des Amazonas, die ihre Opfer in ihr Maul saugen. Die Erzählungen reichen mindestens zurück bis zu den Legenden der Inkas. Darstellungen von Drachen, die an eine Kreuzung aus Schlange und Weinbergschnecke erinnern, sind auf Gegenständen abgebildet, die über 1500 Jahre alt sind.
In Peru nennt man diese Kreatur Sachamama (Mutter des Dschungels) oder Yakumama (Mutter des Wassers). Die Einwohner in Brasilien und Bolivien nennen sie Minhocão (großer Regenwurm).
Bereits Pizarro berichtete davon während seinen Feldzüge im 16. Jahrhundert diesen Wesen begegnet zu sein.
Der Botaniker Augustin Saint-Hilaire war ebenfalls von deren Existenz überzeugt, nachdem er während seiner sechsjährigen Forschungsreise von 1816 bis 1822 im brasilianischen Hinterland unzählige Berichte gehört hatte. Er gab an, dass das Wesen einem überdimensionalen schwarzen Wurm gleiche. Es habe allerdings ein großes Maul, sei eher kompakt in seinen Proportionen und lebe im Wasser, von wo es nur sehr selten auftauchen würde.
Der Missionar Manuel Castrucci de Vernazza beschrieb im Jahr 1845 ein Exemplar, das er angeblich mit fünf Schüssen in dem Fluss Pastaza im Grenzgebiet von Peru und Ecuador erlegt hatte. Es sei über 13 Meter lang gewesen und habe einen Durchmesser von einem Meter achtzig gehabt. Die Indianer hätten ihm versichert es würden Tiere dieser Art existieren, die mehr als doppelt so groß sind. Er sagte es erinnere an einen geschuppten Baumstamm und hinterließ an Land Spuren von der Breite einer Straße. Doch es sei sehr träge und würde seine Beute nicht verfolgen, sondern stattdessen aus der Entfernung ansaugen.
Ein gewisser Francisco de Amaral Varella sah Mitte der 1870er Jahre ein solches Tier am Ufer des Rio Caveiras liegen. Es sei gigantisch gewesen. Fast einen Meter im Durchmesser, aber, im Gegensatz zu einer Schlange, im Verhältnis zu seiner Dicke nicht besonders lang. Es hatte eine Art Schweinerüssel. Ob es Beine gehabt hat konnte er leider nicht ausmachen. Als es verschwand hinterließ es den für es charakteristischen Graben auf seinem Weg.
1877 schrieb der Zoologe Fritz Müller nach langjähriger Forschung einen ausführlichen Artikel mit mehreren Augenzeugenberichten über den Minhocão in der anerkannten Zeitschrift Der Zoologische Garten. Er war sich sicher, dass dieses Wesen real ist.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts berichtete dann der berühmte Colonel Percy Fawcett davon, dass die Eingeborenen ihn vor einem riesigen Tier gewarnt haben, das halb im Sumpf vergraben liegt. Es habe einen schlangenartigen Hals und trage auf dem Rücken einen Panzer. Man könne seine Spuren manchmal in der Erde finden.
Der tschechische Journalist Arnost Vasícek recherchierte Ende der 90er Jahre, nachdem er von dem Ereignis in Nueva Tacna erfuhr, in Peru über ähnliche Vorfälle und Erzählungen. Er sagt, die von ihm gefundenen Spuren deuten auf ein Tier mit klauenbewehrten Füßen hin.

Analyse

Ich bin sicher, dass in den Tiefen Amazoniens Anakondas von weit über zehn Meter Länge existieren. Die längsten offiziell anerkannten Exemplare hatten eine Länge von rund 9 Metern. Es wäre ein ziemlicher Zufall, wenn gerade das die größten Individuen dieser Schlangenart gewesen sind. Von einer Schlange im Kongo (wahrscheinlich ein Felspython, der in der Regel kleiner ist als Anakondas) gibt es ein Beweisfoto, das ein etwa 15 Meter langes Tier zeigt.

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Bild, das der belgische Pilot Remy Van Lierde 1959 machte, nachdem eine riesige Schlange im Kongo seinen Hubschrauber angegriffen hat.

Doch eine 15 Meter lange Schlange ist nicht dasselbe, wie eine fünf Meter hohe und 40 Meter lange Kreatur. Von der sogenannten Schwarzen Anakonda oder Schwarzen Boa, die nur aus Erzählungen bekannt ist, wird ebenfalls berichtet, dass sie solche Ausmaße annimmt und dass sie knurrt anstatt zu zischen. Eine Anakonda mit einer Länge von 40 Metern Länge hätte aber, bei gleichen Proportionen, nur einen Durchmesser von weniger als 1,70 Meter.
Alle Indizien und Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass es sich letztlich nicht um eine wirkliche Schlange handelt, weder bei der Sachamama, dem Minhocão
oder der Schwarzen Anakonda, sondern, dass dieser Ausdruck nur eine Ähnlichkeit beschreibt.

Tatsächlich war eine der ersten Interpretationen, dass es sich hierbei um einen überdimensionalen Lungenfisch handelt. Diese aalähnlichen Tiere können sowohl im Wasser als auch an Land leben und vergraben sich im Schlamm. Sie wurden von den Zoologen im 19. Jahrhundert den Reptilien zugeordnet und ihre Flossen sind zu tentakelartigen Fortsätzen umgebildet. Man kann leicht die Attraktivität dieser Theorie erkennen. Doch wenn man sich die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Beschreibungen und auch Darstellungen ansieht, so wird schnell deutlich, dass die am häufigsten genannten Merkmale der Sachamama beim Lungenfisch nicht zu finden sind. Insbesondere der Rüssel, die Ohren und das Gehäuse auf dem Rücken fehlen völlig.
Später schlug der bekannte Wissenschaftler Bernard Heuvelman vor, dass es sich um überlebende Glyptodons handelt. Ein ausgestorbenes Riesengürteltier aus Südamerika. Der Zoologe Karl Shuker wandte allerdings vollkommen zu recht ein, dass die starke Wasseraffinität des Minhocãos gegen diese Überlegung spricht. Er schlug dann jedoch eine fast ebenso unwahrscheinliche Hypothese vor: Ein gigantischer Schleichenlurch. Diese wurmartigen Amphibien, die auch Blindwühlen genannt werden, leben die meiste Zeit ihres Lebens unterirdisch. Ihre Augen und Gliedmaßen sind dadurch degeneriert und ihr bis zu anderthalb Meter langer Körper erinnert eher an einen Regenwurm als an einen Lurch. Sie besitzen rudimentäre Tentakel an den Seiten ihres Kopfes.
Diese Theorie ist aus einer Menge von Gründen problematisch. Zum einen bedeckt nirgendwo eine Schale oder Panzerung ihren Rücken und die Proportionen ihres Körpers entsprechen überhaupt nicht den Beschreibungen eines Minhocão. Außerdem sind ihre Augen und die Fühler an ihren Köpfen so klein, dass man sie kaum wahrnehmen kann.
In seiner Analyse des Nueva Tacna-Vorfalls geht Shukner deshalb auch dazu über ein exorbitantes Weichtier als Lösung vorzuschlagen. Er schreibt zwar, eine Schnecke von solchen Ausmaßen sei extrem unwahrscheinlich, aber tatsächlich ist sie nicht nur das: sie widerspricht auch den vorgefundenen Indizien.
Erstens müsste eine solche Schnecke eine enorme Schleimspur hinterlassen. Die Berichte und Fotos zeigen jedoch nichts dergleichen.
Zweitens wird von riesigen Augen und einer deutlichen Schnauze mit einem großen Maul berichtet. Keines dieser Merkmale existiert bei Schnecken. Die meisten Zeugen sind sich zudem einig, dass es sich um eine Form von Reptil handelt.

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Südamerikanischer Lungenfisch
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Glyptodon
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Schleichenlurch
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Weinbergschnecke

Folgende Eigenschaften werden am häufigsten genannt:

– Sehr dunkle Farbe, eventuell schwarz.
– Großer Körperumfang.
– Erinnert aus der Entfernung an einen dicken Baumstamm.
– Schale auf dem Rücken.
– Tentakel, Hörner und „Ohren“ am Kopf.
– Vegetation wächst auf dem Rücken.
– Saugt seine Beute ins Maul.
– Lebt meist im Wasser, kommt nur selten an Land.
– Schnauze mit Schweinerüssel.
– Dreieckiger Kopf.
– Geschuppte Haut.

Ausgehend von diesen Informationen erscheint es mir als die bei weitem plausibelste Lösung, dass es sich um eine gigantische Fransenschildkröte handelt.

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Fransenschildkröte

Die von Zeugen beschriebenen Körpermerkmale treffen alle nahezu hundertprozentig auf diese seltsamen lebenden Fossilien zu. Wenn sie nicht gereinigt werden beginnen sogar Pflanzen auf ihnen zu wachsen, wie dies bei der Sachamama bzw. dem Minhocão ebenfalls beobachtet wurde.

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Fransenschildkröte mit Vegetation auf dem Panzer.

Es ist leicht nachzuvollziehen wie schwierig es für Beobachter wäre ein solches fremdartig anmutendes Wesen als Schildkröte zu identifizieren. Insbesondere in einem Moment von Panik. Tatsächlich würde ich argumentieren, dass es noch zu der Glaubwürdigkeit der Augenzeugen beiträgt, von Merkmalen mit so frappierender Ähnlichkeit mit denen einer Fransenschildkröte zu berichten, ohne das Tier als Schildkröte zu identifizieren.
Die Gemeinsamkeiten im Verhalten mit der Fransenschildkröte sind mindestens genauso verblüffend wie die Gemeinsamkeiten im äußeren Erscheinungsbild. Dieses Reptil kommt nur sehr selten an Land. Die meiste Zeit verbringt es still unter Wasser, atmet mit lang ausgestrecktem Hals durch seinen Rüssel und saugt vorbei schwimmende Beute in sein Maul.

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Fransenschildkröte in voller Länge.

Der bekannte Paläontologe Darren Naish schreibt, diese Schildkröten können eine Gesamtlänge von etwa einem Meter erreichen. Es gebe allerdings auch Berichte von über zwei Meter langen Individuen.
Er sagt prähistorische Tiere dieser Gattung sollen angeblich eine Länge von über vier Metern erreicht haben, zeigt sich allerdings sehr skeptisch gegenüber diesen Angaben und hält sie für Übertreibungen. Eine solche Schildkröte würde zu den größten zählen, die jemals beschrieben wurden, vergleichbar nur mit den Riesenschildkröten Archelon und Stupendemys. Eine Schildkröte von der zehnfachen Länge muss noch ungleich verrückter klingen.

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Urzeitliche Meeresschildkröte Archelon.

Unmöglich ist es dennoch nicht. Die größten Tiere, die jemals lebten, waren wahrscheinlich verschiedene Arten von Sauropoden. Sie könnten bis zu 73 Meter lang und 220 Tonnen schwer gewesen sein, wobei allerdings auch dies hochspekulativ ist.
Biomechanisch gibt es, entgegen immer wieder vorgebrachten Behauptungen, praktisch keine Grenze für die Masse eines Landtieres. Jyrki Hokkanen vom Institut für Theoretische Physik der Universität Helsinki hat berechnet, dass die Obergrenze für ein vierbeiniges Landwirbeltier bei tausend Tonnen Gewicht liegt. Ein solches Lebewesen könnte sich zwar nur mit maximal sechs Kilometern pro Stunde fortbewegen, seine Existenz ist aber physikalisch nicht ausgeschlossen. Für ein semiaquatisches Kriechtier mit einem dicken Panzer erhöht sich dieser Wert natürlich noch einmal ins nahezu Unermessliche.
Das Hauptproblem für einen solchen riesigen Organismus stellt also in erster Linie die Nahrungszufuhr dar. Doch der größte Fluss und die tierreichste Region dieses Planeten als Lebensraum lassen es für mich durchaus möglich erscheinen einer solchen Schildkröte genug Futter zur Verfügung zu stellen, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Effizienz der Verdauung mit der Größe eines Organismus zunimmt, da die Nahrung länger im Körper verweilt, und sich zusätzlich auch die Energieeffizienz verbessert. Die Fransenschildkröte bewegt sich ohnehin nur marginal.
Nichtsdestotrotz ist die Idee einer Schildkröte, die die Dimensionen aller seiner bekannten Artgenossen um eine ganze Größenordnung übersteigt, eine phantastische Vorstellung. Doch welches Tier auch immer für die Sichtungen verantwortlich ist, ob Schildkröte oder etwas vollkommen Anderes, es wäre ohnehin um ein Vielfaches größer als jedes Land- oder Süßwassertier von dem wir wissen. Angesichts der betrachteten Indizien erscheint es mir deshalb durchaus angebracht davon auszugehen, dass sich in den Tiefen des Dschungels Amazoniens eine Fransenschildkröte von gewaltigen Ausmaßen verbirgt.
Die etablierte Wissenschaft möge über solche Spekulationen den Kopf schütteln, doch zu behaupten, dass all die Personen, die von diesem Wesen berichten, mitunter Zeugen, die nie von den lokalen Mythen gehört haben, lügen und dennoch solche Parallelen produzieren oder dass sie Naturphänomene mit einem Lebewesen verwechseln und trotzdem mehr oder weniger detaillierte Beschreibungen abliefern können, das erscheint mir ignorant. Wir sollten immer darauf achten, dass die Argumente gegen etwas Unglaubliches, nicht irrationaler sind als das Unglaubliche selbst.

Links:

http://the-lost-world.livejournal.com/1408.html

http://www.bigsnakes.info/scientists.html

http://www.bigsnakes.info/research-file.html

http://www.wrozka.com.pl/component/content/article/203-98/1066/4178-prehistoryczny-potwor-zyje

http://www.salem-news.com/articles/august162010/monster-amazon-ta.php

http://www.strangeark.com/bfr/articles/minhocao.htmlhttp://thestrangerest.blogspot.gr/search/label/Minhoc%C3%A3o

Taking the Bait: The Weird Worminess of the Brazilian Minhocão

http://www.meta-religion.com/Paranormale/Cryptozoology/Other/minhocao.htm

http://karlshuker.blogspot.gr/2009/02/seeking-mega-caecilians.html

http://karlshuker.blogspot.gr/2010/10/sachamama-snake-in-shell.html

http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2011/04/29/giant-fossil-matamata-turtles/

http://www.miketaylor.org.uk/dino/hokkanen/Size-Hokkanen.html

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