Was ist Bigfoot?

In den Legenden der Indianer Nordamerikas und anderer Ureinwohner in entlegenen Gebieten unseres Planeten, wird schon immer von großen affenartigen Kreaturen erzählt. Der Sasquatch bei der indigenen Bevölkerung in Kanada und den USA, der Yeti in Nepal, der Menk in Russland, der Yerenin in China, der Yowie in Australien und viele Andere mehr. Der erste Vorfall über den ausführlich in der amerikanischen Presse berichtet wurde, war 1924 ein Angriff mehrerer Bigfoots im nach diesem Ereignis benannten „Ape Canyon“ im Staat Washington. Natürlich hat es aber schon lange zuvor unzählige Augenzeugenberichte von diesen Kreaturen und Verwunderung über riesige menschenähnliche Fußspuren gegeben, allerdings fanden solche Schilderungen keine besondere Aufmersamkeit in den Medien. Im Juli 1924 übernachteten jedoch fünf Goldschürfer in einer selbstgebauten Holzhütte auf dem Vulkan Mount St. Helens und begegneten dort einer Gruppe Affenmenschen, die sie attackierten. Eigentlich wollten sie niemandem von dem Vorfall erzählen, aus Angst als verrückt abgestempelt zu werden, doch einer der fünf Männer berichtete dem zuständigen Ranger, von dem sie wussten, dass er sich wunderte, woher die seltsamen Fußabdrücke im Canyon stammen, über die Vorkommnisse der vergangenen Nacht. Anscheinend fand die Geschichte so ihren Weg in die Zeitungen und verbreitete sich schnell im Land. Die Schürfer hatten erzählt, dass sie seit rund einer Woche in der Schlucht waren um nach Gold zu suchen. Sie hörten oft seltsame Geräusche in dieser Zeit, die sie sich nicht erklären konnten. Eines Abends sahen zwei von ihnen ein aufrecht gehendes großes behaartes Wesen und schossen auf es, es entkam allerdings unverletzt. Die beiden kehrten dann zu den anderen in die Hütte zurück und beschrieben, was gerade geschehen war. Keiner wollte länger dort bleiben, doch es war schon zu spät um noch vor Einbruch der Dunkelheit das Gebiet zu verlassen. Sie entschieden sich am nächsten Morgen aufzubrechen. In der Nacht wurden sie von Lärm geweckt als etwas gegen die Wand der Hütte schlug. Sie hörten eine Menge Füße draußen trampeln und spähten durch einen Spalt zwischen den Hölzern in der Wand hinaus. Sie konnten eine Gruppe von Affenmenschen sehen, die mit Steinen auf die Hütte warfen. Als die Kreaturen sich der Hütte näherten verbarrikadierten die Männer die Tür und begannen auf sie zu schießen. Der Angriff dauerte die ganze Nacht und die Wesen kletterten auf das Dach. Eines schaffte es sogar mit dem Arm durch eine Öffnung zwischen den Holzbalken zu greifen. Kurz vor Sonnenaufgang zogen sie sich zurück und die Goldgräber verließen den Schutz der Hütte sobald es hell genug war um etwas erkennen zu können. Ohne sich um ihre Ausrüstung zu kümmern, flüchteten sie so schnell wie möglich. Einmal noch auf ihrem Rückweg sahen sie einen der Affenmenschen aus der Entfernung und erschossen ihn.
Nachdem die Zeitungen über den Vorfall berichtet hatten brach ein Hype aus und die Männer führten Interessierte zu der Stelle, wo sich alles ereignet hatte. Sie konnten keines der Wesen finden, doch die Fußabdrücke waren deutlich zu sehen.

apecanyon
Die Hütte im „Ape Canyon“, wo sich der Vorfall ereignet haben soll.

1950 kam es nahe dem Ort des Geschehens erneut zu einem mysteriösen Vorkommnis als ein Bergsteiger von einem Augenblick auf den nächsten plötzlich verschwand. Er hatte seine Gruppe nur kurz mit seinen Skiern verlassen um ein Foto zuschießen, kam aber nie zurück. Die Spuren im Schnee deuteten darauf hin, dass er eine Filmpackung fallen gelassen hatte und dann in halsbrecherischer Geschwindigkeit den Hang hinabgeschossen war. Er sprang über mehrere große Gletscherspalten und fuhr schließlich geradewegs über eine Klippe. Seine Leiche wurde jedoch nie gefunden, obwohl zwei Wochen lang eine Suchtruppe von bis zu 75 Mann den Canyon durchkämmte. Seine Bergsteigerkollegen waren überzeugt, dass „die Affen ihn geschnappt haben.“
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie es sein kann, dass Suchtrupps und unzählige Bigfoot-Jäger die Wälder Nordamerikas durchkämmen ohne mehr Beweisstücke als eine umfangreiche Sammlung an Fußabdrücken vorweisen zu können. Tatsächlich gibt es insgesamt eine große Zahl relativ eindeutiger Beweisstücke (natürlich sollte aber schon ein überzeugender Beweis genug sein um die Existenz dieser Kreaturen sehr wahrscheinlich zu machen). Der sogenannte Patterson-Gimlin-Film aus dem Jahr 1967 gilt allgemein als die glaubwürdigste Aufnahme eines Bigfoots, die bis heute existiert:

Zahlreiche Experten haben das Video analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es authentisch ist. In diesem Interview äußert zum Beispiel Dr. Jeff Meldrum, Professor für Anatomie und Anthropologie an der Idaho State University, seine Meinung zu dem Thema:

Vor kurzem ist eine mindestens ebenso erstaunliche Videoaufnahme eines Bigfoots aufgetaucht:

Wenn für jemanden der Film selbst noch nicht überzeugend ist, sollte er sich diese Analyse anschauen (auch wenn der Youtuber manchmal ein bisschen übers Ziel hinausschießt):

Zwei weitere wichtige Beweise sind auf jeden Fall die Naturdokumentation „Great North“  bei deren Dreharbeiten zufällig ein Bigfoot gefilmt wurde (ohne dass es irgendjemandem aufgefallen war):

Und das Video, das ein Mann namens Harley Hoffman aufgenommen hat:

Der folgende Film wirkt ebenfalls echt, obwohl nur wenige Details erkennbar sind:

Es gibt so viele Fotos, Videos und sogar angebliche Audioaufnahmen von Bigfoot, dass man wochenlang das Internet durchforsten kann, ohne alle Indizien zusammengetragen zu haben. Die Authentizität der meisten dieser Dokumente ist allerdings eher zweifelhaft.
Auch die Augenzeugenberichte sind zu einem großen Teil nicht überzeugend. Es gibt aber natürlich trotzdem unzählige glaubwürdige Berichte. Eine der vertrauenswürdigsten Sichtungen fand in einem Nationalpark in Oregon statt, als ein Psychologe mit seiner Familie einem Bigfoot begegnete:

Ein weiterer Vorfall ereignete sich 1982 als zwei Polizisten auf Streife etwas sahen, dass vor ihnen über die Straße rannte. Sie waren überzeugt, dass es kein bekanntes Tier oder eine verkleidete Person gewesen ist. Dan Gordon, einer der beiden Beamten, sagte es sei gebückt mit schwingenden Armen gelaufen und ein olympischer Sprinter hätte Probleme gehabt mit dem Wesen Schritt zu halten. Es gibt mehrere solche Berichte von verschiedenen Polizisten.
Ein anderer angesehener Zeuge war Dr. Richard Baddour, ein erfolgreicher Psychiater aus San Diego, und seine Frau und zwei Kinder. Sie beobachteten mehrmals eine ganze Bigfoot-Familie auf ihrem abgeschieden liegenden Grundstück und meldeten die Sichtungen der Polizei. Um Dr. Baddours Haus wurden mehrere gigantische Fußspuren gefunden und Abgüsse davon gemacht.
Solche Abdrücke wurden im Laufe der Zeit zu tausenden in den USA gefunden und dokumentiert. Teilweise so detailliert, dass man die Papillarmuster der Haut erkennen kann.

jerrycrew58cast
Traktorfahrer Gerald Crew mit einem Abguss der Fußabdrücke, die er 1958 gefunden hat, als er mit einem Team dabei war eine Straße für Holzfällarbeiten in einem unzugänglichen Waldgebiet in Kalifornien zu bauen.

Untersuchungen ergaben manchmal, dass einzelne Fußspuren gefälscht wurden. Häufiger kamen die Wissenschaftler allerdings zu dem Schluss, dass es praktisch unmöglich ist bestimmte Fußspuren künstlich herbeizuführen. Zu realitätsnah ist die zugrundeliegende Motorik und Anatomie dieser Abdrücke:

Es werden auch immer wieder seltsame Konstruktionen aus Zweigen und Baumstämmen entdeckt, die von Bigfoots stammen sollen. Meistens sind es einfach Anhäufungen von Stöcken, die alle möglichen Ursachen haben könnten; manchmal sind es Tipi-artige Strukturen oder einfache Hütten, die möglicherweise von Menschen gebaut wurden. Einige Bigfoot-Jäger spekulieren, dass es sich dabei teilweise um eine einfache Symbolsprache handeln könnte, zum Beispiel als Orientierungshilfe in den Wäldern. Nichts deutet aber wirklich auf so etwas oder auch nur auf einen besonders mysteriösen Hintergrund solcher Gebilde hin.

8-IMG_Screen-Shot-Final
Kleine Holzkonstruktion unbekannten Ursprungs.

Wie können diese Lebewesen trotz aller Bemühungen sie zu finden vor uns verborgen bleiben? Die nordamerikanischen Wälder sind groß, kein Zweifel, doch es wurden bisher keinerlei überzeugende Hinweise auf Siedlungen oder Rastplätze dieser Kreaturen gefunden. Die DNA von gefundenen Haaren, die Bigfoots zugeschrieben und untersucht wurden, stammte anscheinend nie von einem Primaten (meistens war es Bären- oder Wolfsfell) und auch sterbliche Überreste eines Bigfoots wurden noch nicht entdeckt. Zudem wird immer wieder beschrieben, wie sich die Kreaturen nach den Sichtungen in Luft aufzulösen scheinen. Deshalb wurden im Laufe der Zeit die wildesten Theorien aufgestellt. Manche behaupten, wie in den ursprünglichen Legenden der Indianer, dass die Bigfoots Geisterwesen sind. Andere, dass sie aus einer anderen Dimension kommen oder außerirdischer Herkunft sind. Frank Beck, einer der Goldschürfer die im Ape Canyon von den Bigfoots attackiert wurde, war überzeugt es handele sich bei den Angreifern um etwas Übernatürliches. Auch andere Zeugen beschreiben ähnliche Eindrücke, wenn sie einem Bigfoot begegnen. Das ist wahrscheinlich mehr dem Schock als einer echten paranormalen Erfahrung zuzuschreiben, doch der von mir hochgeschätzte John Keel, Autor von „The Mothman Prophecies“ und einer der Ersten, die sich ausführlich mit den „Men in Black“ beschäftigten und der ihnen ihren Namen gab, sieht das Bigfoot-Phänomen ebenfalls als nicht von dieser Welt an.
Ich bin hier skeptisch. Meiner Meinung nach könnte es sich durchaus um eine überlebende Spezies prähistorischer Riesenaffen, wie beispielsweise Gigantopithecus, handeln. Eventuell verbringen diese Tiere einen großen Teil ihres Lebens in unterirdischen Höhlen oder ähnlichen Verstecken.

kot37055_0607ta
Special Effects-Künstler William Munns mit seinem lebensechten Modell von Gigantopithecus. Das Aussehen der Haare ist natürlich spekulativ.

Auf der anderen Seite hat ein interessantes Video eines Youtubers, auf den ich bereits verwiesen hatte, Aspekte aufgezeigt, die man als konsistent mit der Annahme einschätzen kann, dass es sich nicht um irdische Wesen handelt. Zuerst dachte ich, dass dieser Kerl spinnt und einfach überall Bigfoots sieht, aber bei einer seiner Entdeckungen wurde ich stutzig: der „Tarnkappen-Bigfoot“ (beginnend bei 13:10 Laufzeit) hat mich fast überzeugt, dass die Wesen einige seltsame Eigenschaften aufweisen. Jeder sollte sich seine Untersuchung eines Films, der auf einer Bigfoot-Expedition aufgenommen wurde, einmal unvoreingenommen ansehen:

Den Personen, die dieses Video gefilmt haben ist keine versteckte Kreatur aufgefallen. Diese Wesen scheinen also auf den ersten Blick einen „Predator“-haften Tarnmechanismus zu besitzen oder Geister zu sein oder was wir in dem Film sehen ist einfach eine optische Täuschung. Andere Sichtweisen machen Eigenschaften des Fells dafür verantwortlich und es wird davon berichtet, dass die Bigfoots so absolut stillstehen, dass man sie bei normaler Aufmerksamkeit gar nicht wahrnimmt. Man nehme etwa die Geschichte hinter diesem beeindruckenden Bild:

Und das ist ganz sicher kein Gorilla! Gorillas sehen so aus:

mezzanine_513.jpg.resize.800x450
Koko, der „sprechende Gorilla“, mit ihrer Ziehmutter Penny Patterson.

Die Unsichtbarkeitshypothese ist jedenfalls schwer zu glauben. Es ist für die meisten Menschen schon schwierig genug die Existenz von Bigfoot anzuerkennen. Zu behaupten er sei eine interdimensionale Entität oder Ähnliches bedeutet einen noch ungleich größeren Brocken zu schlucken. Ich halte die Idee für wirklichkeitsfremd, doch es gibt viele Berichte über dieses Phänomen, dass allgemein „Cloaking“ genannt wird, und andere Filmaufnahmen, die scheinbar unsichtbare Bigfoots erkennen lassen:

Natürlich sind solche visuellen Anomalien auch mit einem Computerprogramm in den Filmen erzeugbar. Ich denke aber, dass physiologische Mechanismen denkbar sind, die ein solches Anpassen an die Umgebung in der Realität ermöglichen könnten. So ein extremer Farbwechsel ist in der Natur von Weichtieren, Reptilien, Amphibien und Fischen bekannt. Der Oktopus ist eines der besten Beispiele:

In Vögeln und Säugetieren ist diese Reaktion aus biochemischen Gründen eigentlich nicht möglich, doch Ausnahmen bestätigen die Regel, wie man so schön sagt. Es ist keine prinzipielle Unmöglichkeit, sondern tritt nur aufgrund der vorherrschenden Pigmentzellen nicht auf.
Ich bin also überzeugt, dass eine große Menschenaffenart in den abgeschiedenen Regionen Nordamerikas existiert. Ich glaube außerdem, dass diese Tiere extrem scheu sind und bei Kontakt normalerweise völlig erstarren. Im Laufe ihrer Evolution haben sie möglicherweise auch eine Körperfunktion entwickelt, die es ihnen ermöglicht tintenfischgleich mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Eines Tages wird ein Exemplar gefunden und offiziell beschrieben und klassifiziert werden, bis dahin liegen uns jedoch bereits Beweise vor, die seine Existenz dokumentieren.

Würgengel

dsc_0022b
Alter Stolleneingang Grube Würgengel

Die Grube Würgengel ist eine alte Eisenerzgrube zwischen Braunfels und Tiefenbach in Mittelhessen nahe der Lahn. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft waren die Grubenhäuser Notunterkünfte für vertriebene Familien aus dem Sudetenland. Von diesen Gebäuden und den Tagesanlagen des 1945 stillgelegten Bergwerks stehen nur noch von Pflanzen überwucherte Ruinen auf einer Lichtung Mitten im Wald. Eine einsame Landstraße windet sich durch das Zwielicht der Bäume von der früheren Brauerei zu dem rund tausend Einwohner umfassenden Ortsteil Tiefenbach. Das Dorf liegt so versteckt, dass erzählt wird die Alliierten hätten es im Zweiten Weltkrieg erst nach langer Suche finden können.
Da ich aus Braunfels stamme, habe ich schon früh von den Legenden, die sich um die Grube Würgengel ranken, gehört. Die Stadt, mit ihrem über den Häusern thronenden Märchenschloss und den scheinbar endlosen Wäldern, die in alle Richtungen reichen wie ein Ozean, wirkt selbst wie einer Schauergeschichte entsprungen.

1280px-braunfels_schloss
Schloss Braunfels

Nordwestlich, zwischen dem örtlichen Heimatmuseum und einigen Teichen, führt eine einzige enge Straße durch den angeblich von Geistern bevölkerten Wald in Richtung Tiefenbach.
Nach rund fünf Minuten zweigt ein steiler Pfad zwischen den Bäumen zur Rechten von der Hauptstraße ab.
Ein einziges Mal war ich zuvor hier. Als ich 18 Jahre alt war und mit einer Gruppe anderer Betrunkener nach einer Feier diesen Weg hoch marschierte. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke machten wir dann allerdings kehrt.
Letztes Jahr fuhr ich mit meiner Freundin den mit Schlaglöchern übersäten Weg wieder hinauf. Es war ein heller Sommernachmittag im Juli, doch die dichten Baumkronen schirmen die Sonnenstrahlen ab und tauchen alles in eine immerwährende Dämmerung.
Jahre zuvor war meine Mutter einmal ihrer Neugierde gefolgt und mit ihrem Hund dort entlang gegangen, hatte sie mir ein paar Tage zuvor erzählt. Sie habe aber ein ungutes Gefühl bekommen und der Hund begann ebenfalls nervös zu werden, also drehte sie um und ging zurück.
Von uns beiden empfand jedoch keiner etwas Beängstigendes, während ich uns um die tiefen Mulden herum navigierte.
Oben angekommen öffnete sich das Dickicht vor uns auf einen sonnigen Platz. Ich parkte das Auto auf der Lichtung und wir stiegen aus. Es wirkte eigentlich recht friedlich hier. Nicht sonderlich furchteinflößend jedenfalls. Vögel zwitscherten und Bienen summten umher.

dsc_0057b

Meine Freundin fing an Fotos zu machen während wir uns umsahen. Da war eine Feuerstelle und ein bisschen Müll der dort verteilt war. Dahinter ragten einige graffitiverzierte Betonüberreste aus der Vegetation hervor. Wir gingen die verwitterten Stufen zu einer von Bäumen und Sträuchern umfassten Bucht hinauf. Auch hier ein paar leere Dosen und Bierflaschen, sonst nichts. Ich stieg durch die Büsche einen Hang hinauf. Dort lag eine Art kleines Pumpenhaus. Ich ging weiter und erreichte nach wenigen Schritten einen Abhang und der Wald öffnete sich zu einer zweiten Lichtung. Wie ein Tal breitete sich eine pflanzenüberwucherte Schlucht vor mir aus. Ich schoss ein paar Fotos ohne besondere Vorkommnisse und machte dann wieder kehrt.

dsc_0062b

Meine Freundin wartete beim Auto. Als ich die Treppe hinabstieg bemerkte ich plötzlich eine Bewegung im hohen Gras links neben mir. Ich sah genauer hin und stellte fest, dass auch die Behauptung Tiere würden diesen Ort meiden eine Legende ist. Ein Kaninchen hoppelte unbeeindruckt von dem Fluch, der auf diesem Platz liegen soll, umher.
Ich ging noch ein Stück einen Weg entlang, der in die andere Richtung in den Wald führt, aber ich konnte hier ebenfalls nichts Außergewöhnliches entdecken. Schließlich machte ich mich mit dem Entschluss auf den Rückweg, mir die Sache mal bei Nacht genauer anzusehen. Meine Freundin teilte mir allerdings mit, dass sie sich weigert im Dunkeln noch einmal hierher zu kommen. Ich würde also allein zurückkehren müssen.
Zuhause schauten wir uns dann die Bilder an.
Zuerst war nichts Besonderes festzustellen. Doch eines der Fotos, das in dem alkovenhaften Raum hinter der Treppe gemacht wurde, war merkwürdig verzerrt. Das Bild erweckte einen zoomartigen Bewegungseindruck, der in der Fotografie und Videotechnik Dolly-Effekt genannt wird. Normalerweise ist es eher schwierig dieses Phänomen hervorzurufen. Insbesondere wenn die Belichtungszeit kurz ist (in diesem Fall 1/15 einer Sekunde) und man dabei nicht zoomt. Allerdings teilte mir ein Fotograf mit, dass es nicht unmöglich ist. Wenn man sich bei der Aufnahme ruckartig auf das Objekt zubewegt, stellt sich ein solches Resultat ebenfalls ein. Das Problem ist nur, dass meine Freundin sich nicht an irgendeine Bewegung von ihr erinnern kann. Wir versuchten dann dennoch den Effekt durch abrupte Bewegungen beim Fotografieren zu wiederholen und konnten auch tatsächlich bei starkem Vorwärtsschnellen des Oberkörpers ähnliche Ergebnisse reproduzieren. Wie auch immer, das Foto ist auf jeden Fall kein ernstzunehmender Hinweis auf irgendetwas Übernatürliches.

dsc_0052b
Dolly-Effekt

Andere berichten da von beeindruckenderen Erfahrungen. Angeblich soll eine Gruppe von drei Motorradfahrern dort oben eine mehrere Meter große weißgrün leuchtende Kugel gesehen haben. Ihre Maschinen seien alle gleichzeitig ausgegangen und ließen sich nicht mehr starten bis sie sie wieder auf die Straße geschoben hatten.
Außerdem gibt es Berichte von einer in Weiß gekleideten  Frauengestalt, die über dem Boden schwebt. Diese Erscheinung wird entweder einer Braut zugeschrieben, die an ihrem Hochzeitstag zusammen mit ihrem Ehemann bei einem mysteriösen Autounfall an der Straße zum Würgengel ums Leben gekommen sein soll oder einer anderen Frau, die dort erhängt worden sein soll.
Blutige Abdrücke von Kinderhänden sollen zudem aus dem Nichts an den Fenstern und der Karosserie von Autos erscheinen und man könne geisterhafte Skelette sehen wird erzählt.
Der Ursprung der eigentlichen Legende um den Ort ist nicht ganz klar. Es wird vermutet, dass es sich beim Würgengel um einen alten Gerichtsplatz handelt. Das würde auch zu den gelegentlichen Sichtungen von Erhängten in den Bäumen passen. Ein Mädchen soll dort an einer Eiche aufgeknüpft worden sein, weil sie ihre Eltern verspeißt hatte.
Natürlich sind das alles bloß Anekdoten und Spekulationen. Aus erster Hand weiß ich von einem Bekannten, dass sich ein Freund von ihm dort am höchsten Baum erhängt hat.
In den letzten Jahrzehnten war der Würgengel vor allem für schwarze Messen und ähnliche satanistische Treffen berüchtigt. Es wurde sogar ein Pferd gefunden, das die Teufelsanbeter aufgehängt und ausbluten gelassen haben. Die Polizei hatte danach mehrfach Razzien durchgeführt und die Aktivität ist seitdem zum Erliegen gekommen.
Nach wie vor wird aber von paranormalen Vorkommnissen berichtet. Vor allem technische Anomalien sollen auftreten: Autos gehen aus und verschließen sich. Handys haben keinen Empfang mehr. Taschenlampen, Videokameras, Fotoapperate und andere Geräte schalten sich ohne erkennbaren Grund aus.
Ein paar Wochen nach meinem ersten Besuch begab ich mich wieder dorthin. Diesmal um halb elf Uhr nachts und alleine.
Es war stockfinster und ein leichter Nieselregen hatte eingesetzt als ich durch den dichten Wald fuhr. Der Asphalt war von Nebelschwaden verhangen und die Straße völlig verlassen. Das Szenario könnte aus einem Horrorfilm stammen.
Ich bog auf den Waldweg und manövrierte den Wagen rumpelnd bis hinauf auf die Lichtung. Jetzt war es hier nicht mehr so entspannend wie im gleisenden Sonnenschein. Ich blieb stehen und stellte den Motor ab. Einen Augenblick überlegte ich, ob ich die Scheinwerfer auch ausschalten soll, ließ sie dann aber an. Man muss es ja nicht übertreiben.

dsc02678b

Vom Beifahrersitz nahm ich den Fotoapparat und eine Taschenlampe und stieg aus. Ich schoss recht willkürlich ein paar Bilder von meiner Umgebung und machte mich auf den Weg die Treppe hinauf und durch das Geäst zu der kleinen Schlucht dahinter. Immer begleitet von einer überwältigenden Gänsehaut. Ich ging zwischen den Bäumen entlang, meine Umgebung nur erleuchtet von dem Lichtkegel meiner Taschenlampe. Das Einzige, was ich hören konnte, waren meine eigenen Schritte in der Stille. Nachdem ich einige Fotos gemacht hatte, kehrte ich um. Als ich aus der Böschung kam konnte ich schon die Scheinwerfer meines Autos in der Ferne brennen sehen. Dann erlosch meine Taschenlampe. Ohne Vorwarnung. Einfach so. Ich blieb in der Dunkelheit stehen, blickte auf das nun nutzlose Ding in meiner Hand … und sie ging wieder an. Ganz von selbst.
„Okay“, dachte ich. „Das war interessant.“

dsc02689b

Ich ging zum Auto und setzte mich hinein. Es waren rund 20 Minuten vergangen seit ich angekommen war. Ich schaltete die Scheinwerfer aus und wartete in der Finsternis. Nichts geschah. Einmal hatte ich den Eindruck hinter mir ein Geräusch zu hören, doch das kann auch meine Einbildung gewesen sein. Nach zehn Minuten drehte ich das Licht wieder an und startete die Zündung. Der Motor sprang ohne Probleme an. Ich wendete den Wagen und fuhr zur Hauptstraße hinunter und zurück nach Hause. Es war Viertel nach elf als ich ankam. Nicht viel schlauer als zuvor.
Die Fotos zeigten auch nichts Spektakuläres. Eine große Zahl an Artefakten war zwar zu sehen, also die kleinen Leuchtkugeln, die gelegentlich in digitalen Fotografien auftauchen und „Geisterflecken“ genannt werden, doch die sind physikalisch durchaus erklärbar.
Was ich immerhin bestätigen kann, ist, dass sich manchmal Taschenlampen ohne offensichtlichen Grund aus- und wieder einschalten. Und das obwohl meine Taschenlampe keinen Mechanismus hat, der zwischen an und aus unterscheidet. Das heißt, wenn man die Batterien aus dem eingeschalteten Gerät nimmt und sie wieder einsetzt, dann geht das Licht nicht automatisch an. Trotzdem kann natürlich ein elektronischer Defekt dafür verantwortlich gewesen sein. Das Ganze hat schließlich nur wenige Sekunden gedauert. Ob dieses seltsame Verhalten nun auf Geister oder Kraftfelder oder einen profanen Wackelkontakt zurückgeführt werden soll, lasse ich offen. Bei Gelegenheit, wenn ich wieder mal in Deutschland bin, werde ich dem Würgengel jedenfalls einen weiteren Besuch abstatten. Und ich ermutige jeden zu einer eigenen Exkursion in den Tiefenbacher Wald.
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen. 😉

Sachamama

Seitdem die ersten Expeditionen in das Amazonasgebiet sich ihren Weg durch den Regenwald kämpften, gibt es Berichte über Begegnungen mit gigantischen schlangenartigen Wesen. Es sind keine herkömmlichen Anakondas, die beschrieben werden. Die Kreaturen von denen erzählt wird, sind pechschwarze Zylinder so hoch wie ein Bus und bis zu 60 Meter lang. Detailliertere Beschreibungen ergeben das Bild von drachenähnlichen Monstern mit Hörnern, Tentakeln und dicken Panzerungen.
Was verbirgt sich hinter diesen Erfahrungen?

Augenzeugenberichte

Am 14. August 1997 ereignete sich in Nueva Tacna, einem abgelegenen kleinen Dorf im Norden Perus, etwas Unglaubliches.
Am Abend dieses Tages, als eine Gruppe von Dorfbewohnern sich zu einem Fußballspiel traf, begann der Erdboden plötzlich zu beben und ein gewaltiges Krachen war zu hören. Ein gigantisches Tier brach durch das Dickicht der Bäume und kroch aus dem Wald an den entsetzten Beobachtern vorbei. Es bahnte sich seinen Weg hunderte von Meter durch den dichten Dschungel, entwurzelte dabei unzählige Bäume und hinterließ einen rund einen halben Meter tiefen und zehn Meter breiten Graben. Die Hütten in dem nahegelegenen Dorf zitterten, Möbel wankten und Geschirr klapperte. Schließlich erreichte das mysteriöse Wesen das Ufer des Amazonas und tauchte in die Fluten. Es erzeugte dabei eine Welle, die mehrere leere Boote umwarf. Zwei Fischer, die in Panik von dem Getöse aus dem Dschungel weg gepaddelt waren, konnten sich gerade noch über Wasser halten. Der Fluss ist hier 500 Meter breit und 40 Meter tief.
Es war schrecklich!, erinnerte sich Luis Iluma, einer der beiden Fischer. Die lange schwarze schlangenhafte Masse trug auf ihrem Rücken eine Art gigantische Schale, die an mehreren Stellen am Rand wie ausgeschnitten war. Am Kopf saßen Tentakel wie Elefantenrüssel und große Ohren. Das Maul endete in einer stumpfen Schnauze.
Maximo Inuacari, der andere Fischer, hatte keine so gute Sicht auf die Kreatur. Er konnte nur sagen, dass sie aussah wie eine Schlange, aber es war unmöglich für ihn zu sehen ob sie nicht vielleicht kurze Füße, wie ein Kaiman, hatte.
Es wurde berichtet, das Tier sei circa fünf Meter hoch und 40 Meter lang gewesen und seine Augen hätten den Durchmesser von Autoreifen gehabt. Auf einem großen Teil seines Rückens wuchsen Pflanzen und kleine Bäume.
Das Dorf funkte sofort einen Hilferuf und kurze Zeit später kam Jorge Samuel Chávez Sibina, der Bürgermeister des Distrikts, mit einem Journalisten namens Carlos Villarreal zu dem Ort geflogen.
Sie hörten sich die Berichte der bestürzten Bewohner an und untersuchten die entstandenen Schäden in der Umgebung. Schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass hier etwas Unerklärliches stattgefunden haben muss.
Chávez Sibina wandte sich an Wissenschaftler weltweit mit der Bitte die Spuren vor Ort so schnell wie möglich zu untersuchen und rief das Militär zur Unterstützung.
Das Instituto de Investigaciones de la Amazonia Peruana (IIAP) und die Universidad Nacional de la Amazonía Peruana (UNAP) sandten jeweils ein Team von Wissenschaftlern. Ungeachtet mehrerer Aufrufe an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft, waren diese beiden Gruppen die einzigen, welche den Schauplatz besuchten.
Es wurden nichtsdestotrotz diverse absurde Erklärungsversuche von ausländischen Experten veröffentlicht. Es wurde zuerst vorgeschlagen, die Einheimischen hätten Baumaschinen mit einem riesigen Tier verwechselt. Ganz abgesehen davon, dass das eine Beleidigung der Intelligenz dieser Menschen darstellt, waren keinerlei Baumaschinen in der Nähe, da es sich um ein geschütztes Gebiet handelt und die dichte Vegetation kein Durchkommen für solche Geräte zulässt. Und wer würde seine teure Ausrüstung zudem geradewegs in einen Fluss fahren?
Die anderen „Lösungen“ für dieses Rätsel waren nicht weniger albern. Wahlweise wurde eine Überflutung oder eine Windhose vorgeschlagen.
Die zwei Teams, die sich vor Ort ein Bild der Auswirkungen machten, kamen zu anderen Schlussfolgerungen. Sie befragten die Bewohner zu dem Vorfall, einige von ihnen brachen in Tränen aus und erklärten, niemand habe sich seitdem mehr in die Nähe des Wassers gewagt. Außerdem analysierten die Wissenschaftler den Verlauf der Verwüstung und ein seismologisches Zentrum, 120 Kilometer entfernt, berichtete ihnen von einer sich „bewegenden Anomaliein ihren Aufzeichnungen zum Zeitpunkt des Vorfalls. Es wurden Luftaufnahmen von dem Ausmaß der Schäden gemacht und als Ursprung der Schneise konnte dabei ein riesiges Erdloch identifiziert werden, das mindestens 30 Meter tief hinabreichte.
Die Untersuchung kam zu dem eher ratlosen Ergebnis, dass „sich etwas Großes durch dieses Gebiet bewegt hat.“

peruboa2
Luftaufnahme der Schneise die sich nach dem Vorkommnis durch den Dschungel wand.

Zwölf Jahre später, im nahe gelegenen Moronococha, geschah etwas noch Erschreckenderes. Im Juni 2009 wurde die Siedlung von einem Ungeheuer heimgesucht, das dort im Fluss hauste. Es zerstörte ein Stelzenhaus und fraß die Haustiere der Bewohner. Ein Fischer sagte aus, vorher seien innerhalb weniger Monate alle Fische verschwunden. Verantwortlich dafür machte er und andere Einwohner eine kleine dicht mit Pflanzen bewachsene Insel, die sich angeblich in der Nacht anfängt zu bewegen und Geräusche von sich zu geben. Das Ehepaar in dem betroffenen Haus erinnerte sich, dass sie einige Male zuvor schon lautes Stoßen gegen das Fundament gehört und dabei einen starken Reptiliengeruch wahrgenommen hätten. Als würde eine Schlange oder etwas Ähnliches urinieren.
Augenzeugen des Vorfalls berichteten, dass sich die Insel an diesem Tag plötzlich circa 40 Meter in die Richtung eines der Stelzenhäuser bewegt hätte und es rammte. Es riss das Gebäude aus der Verankerung, schob es noch rund 60 Meter weiter und zerstörte es dort vollständig. Dann kehrte die Insel zurück zu ihrem vorherigen Standort. Die Einzigen, die das Tier direkt sehen konnten waren die Bewohner des Hauses. Die anderen sagten, sie sahen nur etwas, das wie ein riesiger dunkler Baumstamm aussah.
Die Frau, die in dem Haus lebte, erklärt sie habe ein Bad genommen und dabei bemerkt wie ein gigantischer schwarzer Kopf mit Schuppen und Hörnern aus dem Wasser bei der Insel auftauchte. Die Augen der Bestie hätten die Größe von Suchscheinwerfern auf Booten gehabt. Als sie ihren Mann geholt hatte war das Geschöpf verschwunden. Sie flohen ins Haus, aber kurze Zeit später begann sich die Masse in dem Fluss langsam auf sie zuzubewegen. Der Ehemann schätze die Größe der Insel auf 200 qm.
Ein Floß, welches neben dem Stelzenhaus im Wasser trieb, wurde gegen die Holzsäulen gepresst. Die Hütte befand sich freistehend im Fluss und die einzige Möglichkeit zu entkommen war mit einem Kanu. Doch die Ehefrau war zu verängstigt um sich ins Wasser zu wagen. In letzter Sekunde zwang ihr Mann sie in ein Boot und steuerte es weg von dem kollabierenden Gebäude.

4518734_orig
Mysteriöser Graben der sich über Nacht in Juan Pablo gebildet hat.

Nur 1,3 Kilometer von Moronococha entfernt befindet sich das Dorf Juan Pablo. Im November des gleichen Jahres kam es hier zu einem weiteren Zwischenfall.
Während eines schweren Gewitters in der Nacht erschütterte etwas den Erdboden und hinterließ einen mehr als fünf Meter breiten Graben auf seinem Weg von einem Wasserloch in einen tiefen Sumpf. Die Bewohner sagten aus, dass sie schon vorher wussten, dass dort ein Ungeheuer lebt. Sie konnten regelmäßig die Erde beben fühlen als ob sich ein gigantisches Tier bewegen würde. Eine überdimensionale schwarze Schlange war zudem bereits in der Vergangenheit dort gesehen worden. Sie hatte eine ähnliche Spur wie in der Nacht im September 2009 hinterlassen.

Das sind nur einige relativ junge Berichte.
Es gibt zahllose Geschichten über schwarze Monsterschlangen im Regenwald des Amazonas, die ihre Opfer in ihr Maul saugen. Die Erzählungen reichen mindestens zurück bis zu den Legenden der Inkas. Darstellungen von Drachen, die an eine Kreuzung aus Schlange und Weinbergschnecke erinnern, sind auf Gegenständen abgebildet, die über 1500 Jahre alt sind.
In Peru nennt man diese Kreatur Sachamama (Mutter des Dschungels) oder Yakumama (Mutter des Wassers). Die Einwohner in Brasilien und Bolivien nennen sie Minhocão (großer Regenwurm).
Bereits Pizarro berichtete davon während seinen Feldzüge im 16. Jahrhundert diesen Wesen begegnet zu sein.
Der Botaniker Augustin Saint-Hilaire war ebenfalls von deren Existenz überzeugt, nachdem er während seiner sechsjährigen Forschungsreise von 1816 bis 1822 im brasilianischen Hinterland unzählige Berichte gehört hatte. Er gab an, dass das Wesen einem überdimensionalen schwarzen Wurm gleiche. Es habe allerdings ein großes Maul, sei eher kompakt in seinen Proportionen und lebe im Wasser, von wo es nur sehr selten auftauchen würde.
Der Missionar Manuel Castrucci de Vernazza beschrieb im Jahr 1845 ein Exemplar, das er angeblich mit fünf Schüssen in dem Fluss Pastaza im Grenzgebiet von Peru und Ecuador erlegt hatte. Es sei über 13 Meter lang gewesen und habe einen Durchmesser von einem Meter achtzig gehabt. Die Indianer hätten ihm versichert es würden Tiere dieser Art existieren, die mehr als doppelt so groß sind. Er sagte es erinnere an einen geschuppten Baumstamm und hinterließ an Land Spuren von der Breite einer Straße. Doch es sei sehr träge und würde seine Beute nicht verfolgen, sondern stattdessen aus der Entfernung ansaugen.
Ein gewisser Francisco de Amaral Varella sah Mitte der 1870er Jahre ein solches Tier am Ufer des Rio Caveiras liegen. Es sei gigantisch gewesen. Fast einen Meter im Durchmesser, aber, im Gegensatz zu einer Schlange, im Verhältnis zu seiner Dicke nicht besonders lang. Es hatte eine Art Schweinerüssel. Ob es Beine gehabt hat konnte er leider nicht ausmachen. Als es verschwand hinterließ es den für es charakteristischen Graben auf seinem Weg.
1877 schrieb der Zoologe Fritz Müller nach langjähriger Forschung einen ausführlichen Artikel mit mehreren Augenzeugenberichten über den Minhocão in der anerkannten Zeitschrift Der Zoologische Garten. Er war sich sicher, dass dieses Wesen real ist.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts berichtete dann der berühmte Colonel Percy Fawcett davon, dass die Eingeborenen ihn vor einem riesigen Tier gewarnt haben, das halb im Sumpf vergraben liegt. Es habe einen schlangenartigen Hals und trage auf dem Rücken einen Panzer. Man könne seine Spuren manchmal in der Erde finden.
Der tschechische Journalist Arnost Vasícek recherchierte Ende der 90er Jahre, nachdem er von dem Ereignis in Nueva Tacna erfuhr, in Peru über ähnliche Vorfälle und Erzählungen. Er sagt, die von ihm gefundenen Spuren deuten auf ein Tier mit klauenbewehrten Füßen hin.

Analyse

Ich bin sicher, dass in den Tiefen Amazoniens Anakondas von weit über zehn Meter Länge existieren. Die längsten offiziell anerkannten Exemplare hatten eine Länge von rund 9 Metern. Es wäre ein ziemlicher Zufall, wenn gerade das die größten Individuen dieser Schlangenart gewesen sind. Von einer Schlange im Kongo (wahrscheinlich ein Felspython, der in der Regel kleiner ist als Anakondas) gibt es ein Beweisfoto, das ein etwa 15 Meter langes Tier zeigt.

13658663_291062871251980_1356762301_n
Bild, das der belgische Pilot Remy Van Lierde 1959 machte, nachdem eine riesige Schlange im Kongo seinen Hubschrauber angegriffen hat.

Doch eine 15 Meter lange Schlange ist nicht dasselbe, wie eine fünf Meter hohe und 40 Meter lange Kreatur. Von der sogenannten Schwarzen Anakonda oder Schwarzen Boa, die nur aus Erzählungen bekannt ist, wird ebenfalls berichtet, dass sie solche Ausmaße annimmt und dass sie knurrt anstatt zu zischen. Eine Anakonda mit einer Länge von 40 Metern Länge hätte aber, bei gleichen Proportionen, nur einen Durchmesser von weniger als 1,70 Meter.
Alle Indizien und Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass es sich letztlich nicht um eine wirkliche Schlange handelt, weder bei der Sachamama, dem Minhocão
oder der Schwarzen Anakonda, sondern, dass dieser Ausdruck nur eine Ähnlichkeit beschreibt.

Tatsächlich war eine der ersten Interpretationen, dass es sich hierbei um einen überdimensionalen Lungenfisch handelt. Diese aalähnlichen Tiere können sowohl im Wasser als auch an Land leben und vergraben sich im Schlamm. Sie wurden von den Zoologen im 19. Jahrhundert den Reptilien zugeordnet und ihre Flossen sind zu tentakelartigen Fortsätzen umgebildet. Man kann leicht die Attraktivität dieser Theorie erkennen. Doch wenn man sich die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Beschreibungen und auch Darstellungen ansieht, so wird schnell deutlich, dass die am häufigsten genannten Merkmale der Sachamama beim Lungenfisch nicht zu finden sind. Insbesondere der Rüssel, die Ohren und das Gehäuse auf dem Rücken fehlen völlig.
Später schlug der bekannte Wissenschaftler Bernard Heuvelman vor, dass es sich um überlebende Glyptodons handelt. Ein ausgestorbenes Riesengürteltier aus Südamerika. Der Zoologe Karl Shuker wandte allerdings vollkommen zu recht ein, dass die starke Wasseraffinität des Minhocãos gegen diese Überlegung spricht. Er schlug dann jedoch eine fast ebenso unwahrscheinliche Hypothese vor: Ein gigantischer Schleichenlurch. Diese wurmartigen Amphibien, die auch Blindwühlen genannt werden, leben die meiste Zeit ihres Lebens unterirdisch. Ihre Augen und Gliedmaßen sind dadurch degeneriert und ihr bis zu anderthalb Meter langer Körper erinnert eher an einen Regenwurm als an einen Lurch. Sie besitzen rudimentäre Tentakel an den Seiten ihres Kopfes.
Diese Theorie ist aus einer Menge von Gründen problematisch. Zum einen bedeckt nirgendwo eine Schale oder Panzerung ihren Rücken und die Proportionen ihres Körpers entsprechen überhaupt nicht den Beschreibungen eines Minhocão. Außerdem sind ihre Augen und die Fühler an ihren Köpfen so klein, dass man sie kaum wahrnehmen kann.
In seiner Analyse des Nueva Tacna-Vorfalls geht Shukner deshalb auch dazu über ein exorbitantes Weichtier als Lösung vorzuschlagen. Er schreibt zwar, eine Schnecke von solchen Ausmaßen sei extrem unwahrscheinlich, aber tatsächlich ist sie nicht nur das: sie widerspricht auch den vorgefundenen Indizien.
Erstens müsste eine solche Schnecke eine enorme Schleimspur hinterlassen. Die Berichte und Fotos zeigen jedoch nichts dergleichen.
Zweitens wird von riesigen Augen und einer deutlichen Schnauze mit einem großen Maul berichtet. Keines dieser Merkmale existiert bei Schnecken. Die meisten Zeugen sind sich zudem einig, dass es sich um eine Form von Reptil handelt.

suedamerikanischer-lungenfisch
Südamerikanischer Lungenfisch
pano03a
Glyptodon
dermophis_mexicanus
Schleichenlurch
1024px-helix_pomatia_002
Weinbergschnecke

Folgende Eigenschaften werden am häufigsten genannt:

– Sehr dunkle Farbe, eventuell schwarz.
– Großer Körperumfang.
– Erinnert aus der Entfernung an einen dicken Baumstamm.
– Schale auf dem Rücken.
– Tentakel, Hörner und „Ohren“ am Kopf.
– Vegetation wächst auf dem Rücken.
– Saugt seine Beute ins Maul.
– Lebt meist im Wasser, kommt nur selten an Land.
– Schnauze mit Schweinerüssel.
– Dreieckiger Kopf.
– Geschuppte Haut.

Ausgehend von diesen Informationen erscheint es mir als die bei weitem plausibelste Lösung, dass es sich um eine gigantische Fransenschildkröte handelt.

matamata_turtle
Fransenschildkröte

Die von Zeugen beschriebenen Körpermerkmale treffen alle nahezu hundertprozentig auf diese seltsamen lebenden Fossilien zu. Wenn sie nicht gereinigt werden beginnen sogar Pflanzen auf ihnen zu wachsen, wie dies bei der Sachamama bzw. dem Minhocão ebenfalls beobachtet wurde.

mata-mata-turtle-31-web
Fransenschildkröte mit Vegetation auf dem Panzer.

Es ist leicht nachzuvollziehen wie schwierig es für Beobachter wäre ein solches fremdartig anmutendes Wesen als Schildkröte zu identifizieren. Insbesondere in einem Moment von Panik. Tatsächlich würde ich argumentieren, dass es noch zu der Glaubwürdigkeit der Augenzeugen beiträgt, von Merkmalen mit so frappierender Ähnlichkeit mit denen einer Fransenschildkröte zu berichten, ohne das Tier als Schildkröte zu identifizieren.
Die Gemeinsamkeiten im Verhalten mit der Fransenschildkröte sind mindestens genauso verblüffend wie die Gemeinsamkeiten im äußeren Erscheinungsbild. Dieses Reptil kommt nur sehr selten an Land. Die meiste Zeit verbringt es still unter Wasser, atmet mit lang ausgestrecktem Hals durch seinen Rüssel und saugt vorbei schwimmende Beute in sein Maul.

5e058d0d925958f83bb377149eaf8ffe
Fransenschildkröte in voller Länge.

Der bekannte Paläontologe Darren Naish schreibt, diese Schildkröten können eine Gesamtlänge von etwa einem Meter erreichen. Es gebe allerdings auch Berichte von über zwei Meter langen Individuen.
Er sagt prähistorische Tiere dieser Gattung sollen angeblich eine Länge von über vier Metern erreicht haben, zeigt sich allerdings sehr skeptisch gegenüber diesen Angaben und hält sie für Übertreibungen. Eine solche Schildkröte würde zu den größten zählen, die jemals beschrieben wurden, vergleichbar nur mit den Riesenschildkröten Archelon und Stupendemys. Eine Schildkröte von der zehnfachen Länge muss noch ungleich verrückter klingen.

frederic-lucas
Urzeitliche Meeresschildkröte Archelon.

Unmöglich ist es dennoch nicht. Die größten Tiere, die jemals lebten, waren wahrscheinlich verschiedene Arten von Sauropoden. Sie könnten bis zu 73 Meter lang und 220 Tonnen schwer gewesen sein, wobei allerdings auch dies hochspekulativ ist.
Biomechanisch gibt es, entgegen immer wieder vorgebrachten Behauptungen, praktisch keine Grenze für die Masse eines Landtieres. Jyrki Hokkanen vom Institut für Theoretische Physik der Universität Helsinki hat berechnet, dass die Obergrenze für ein vierbeiniges Landwirbeltier bei tausend Tonnen Gewicht liegt. Ein solches Lebewesen könnte sich zwar nur mit maximal sechs Kilometern pro Stunde fortbewegen, seine Existenz ist aber physikalisch nicht ausgeschlossen. Für ein semiaquatisches Kriechtier mit einem dicken Panzer erhöht sich dieser Wert natürlich noch einmal ins nahezu Unermessliche.
Das Hauptproblem für einen solchen riesigen Organismus stellt also in erster Linie die Nahrungszufuhr dar. Doch der größte Fluss und die tierreichste Region dieses Planeten als Lebensraum lassen es für mich durchaus möglich erscheinen einer solchen Schildkröte genug Futter zur Verfügung zu stellen, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Effizienz der Verdauung mit der Größe eines Organismus zunimmt, da die Nahrung länger im Körper verweilt, und sich zusätzlich auch die Energieeffizienz verbessert. Die Fransenschildkröte bewegt sich ohnehin nur marginal.
Nichtsdestotrotz ist die Idee einer Schildkröte, die die Dimensionen aller seiner bekannten Artgenossen um eine ganze Größenordnung übersteigt, eine phantastische Vorstellung. Doch welches Tier auch immer für die Sichtungen verantwortlich ist, ob Schildkröte oder etwas vollkommen Anderes, es wäre ohnehin um ein Vielfaches größer als jedes Land- oder Süßwassertier von dem wir wissen. Angesichts der betrachteten Indizien erscheint es mir deshalb durchaus angebracht davon auszugehen, dass sich in den Tiefen des Dschungels Amazoniens eine Fransenschildkröte von gewaltigen Ausmaßen verbirgt.
Die etablierte Wissenschaft möge über solche Spekulationen den Kopf schütteln, doch zu behaupten, dass all die Personen, die von diesem Wesen berichten, mitunter Zeugen, die nie von den lokalen Mythen gehört haben, lügen und dennoch solche Parallelen produzieren oder dass sie Naturphänomene mit einem Lebewesen verwechseln und trotzdem mehr oder weniger detaillierte Beschreibungen abliefern können, das erscheint mir ignorant. Wir sollten immer darauf achten, dass die Argumente gegen etwas Unglaubliches, nicht irrationaler sind als das Unglaubliche selbst.

Links:

http://the-lost-world.livejournal.com/1408.html

http://www.bigsnakes.info/scientists.html

http://www.bigsnakes.info/research-file.html

http://www.wrozka.com.pl/component/content/article/203-98/1066/4178-prehistoryczny-potwor-zyje

http://www.salem-news.com/articles/august162010/monster-amazon-ta.php

http://www.strangeark.com/bfr/articles/minhocao.htmlhttp://thestrangerest.blogspot.gr/search/label/Minhoc%C3%A3o

Taking the Bait: The Weird Worminess of the Brazilian Minhocão

http://www.meta-religion.com/Paranormale/Cryptozoology/Other/minhocao.htm

http://karlshuker.blogspot.gr/2009/02/seeking-mega-caecilians.html

http://karlshuker.blogspot.gr/2010/10/sachamama-snake-in-shell.html

http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2011/04/29/giant-fossil-matamata-turtles/

http://www.miketaylor.org.uk/dino/hokkanen/Size-Hokkanen.html

Die feige Wissenschaft

Die etablierten Wissenschaften haben, obwohl man nicht behaupten kann, dass es so etwas wie eine allgemeine „wissenschaftliche Methode“ gäbe, die Fähigkeit ausgezeichnet Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten von Phänomenen zu erkennen, die regelmäßig in Erscheinung treten. Auf der anderen Seite ignorieren sie geflissentlich Ereignisse und Beobachtungen, die nicht in ihr Weltbild passen und nicht auf Knopfdruck herbeigeführt werden können.
Als Parodie darauf entwickelte beispielsweise der französische Schriftsteller Alfred Jarry das Konzept der ‘Pataphysik. Die Idee, dass es eine Wissenschaft geben könnte, die sich nicht mit der Regelhaftigkeit der Welt beschäftigt, sondern mit ihren kontingenten Merkmalen.
Von Geistererscheinungen und außersinnlicher Wahrnehmung über Bigfoot und UFOs bis zu Exorzismen und dem Grabtuch von Turin, die so auf Vernunft bedachten Wissenschaftler entwickeln, angesichts dieser Beobachtungen, Theorien, die die begabtesten Verschwörungstheoretiker verblassen lassen. Wenn es um übernatürliche oder auch nur ungewöhnliche Vorfälle geht, wird der gesunde Menschenverstand von ihnen gerne bedenkenlos über Bord geworfen. Es gibt eine endlose Reihe an Beispielen mysteriöser Vorkommnisse, die von Wissenschaftlern trivialisiert werden.
Wenn man sich einmal intensiver mit der Thematik des Paranormalen und der Kryptozoologie beschäftigt, wird einem jedoch schnell klar, dass an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten zweifellos Unerklärliches vor sich geht.

maxresdefault
Standbild aus der Videoaufnahme eines weiblichen Bigfoots von Roger Patterson, 1967.

Eines der größten Rätsel ist beispielsweise der Dyatlov-Vorfall im russischen Uralgebirge. 1959 starb eine Gruppe von neun erfahrenen Bergsteigern bei der Überquerung des Berges Cholat Sjachl (mansisch für „Berg der Toten“) unter mysteriösen Umständen. Ihr Zelt war eingestürzt, von innen aufgeschlitzt und die Fußspuren der Gruppenmitglieder im Schnee führten von der Stelle weg. Die Leichen wurden rund 1,5 Kilometer entfernt gefunden, in Unterwäsche und barfuß oder nur mit Socken an den Füßen. Die Temperatur in der entsprechenden Nacht betrug -25 bis -30 Grad Celsius. Zudem sind die drei Personen, die nicht durch Erfrieren ums Leben gekommen sind, durch extreme Gewalteinwirkung auf Knochen und innere Organe, vergleichbar mit einem Autounfall, getötet worden, nachdem sie das Zelt verlassen hatten, allerdings zeigten sie keinerlei entsprechende äußeren Verletzungen. Untersuchungen stellten Spuren von Radioaktivität fest und Aussagen von Zeugen berichteten von fliegenden Leuchtkugeln am Himmel über dem Berg in der Nacht als die Bergsteiger starben. Sichtungen dieser Kugeln, einschließlich vom Wetterdienst und dem Militär, hielten für längere Zeit an.
Die Erklärung, die Wissenschaftler gaben, war, dass eine Lawine für die ganze Situation verantwortlich gewesen sei. Fall abgeschlossen! Dass es nicht die geringste Spur einer Lawine gab als die Suchexpedition eintraf, ganz im Gegenteil sogar eine Menge Fakten gegen diese Theorie sprechen, und weder jemals zuvor noch danach eine Lawine dort beobachtet wurde, ist dabei anscheinend zweitrangig. Weitere „wissenschaftliche“ Interpretationen des Vorkommnisses sind Infraschall, der die Gruppe in den Wahnsinn getrieben haben soll, „Paradoxical Undressing“ (ein Phänomen, das bei Unterkühlung auftritt und dazu führt sich zu entkleiden) und geheime Militärtests. Der offizielle Leiter der damaligen Untersuchung, Lev Ivanov, der mit allen relevanten Umständen und Indizien vertraut war, äußerte hingegen privat seine Überzeugung, dass Außerirdische für den Tod der neun Bergsteiger verantwortlich waren. Seinen Untersuchungsbericht schloss er mit den Worten, dass eine „unknown compelling force“ die Gruppe ums Leben gebracht hätte.
Andere gut dokumentierte Vorkommnisse sind das Auftauchen des sogenannten Jersey Devil, eine Art geflügelter Dämon, das von tausenden Augenzeugen im Jahr 1909 bestätigt wurde, und des geisterhaften Mothman von 1966 bis ’67 in Point Pleasant. Letzteres war Inhalt des Spielfilms The Mothman Prophecies mit Richard Gere. In beiden Fällen wurde der Kanadakranich von Wissenschaftlern für die unzähligen Sichtungen von fliegenden menschenähnlichen Kreaturen verantwortlich gemacht. Wie kann man glauben, dass hunderte von Beobachter große Vögel für Monster halten?
Oder die Vorkommnisse im Hoia Wald in Rumänien, der nur einer von vielen ernstzunehmenden Spukorten auf der ganzen Welt ist. Menschen werden dort unter anderem wie von Geisterhand durch die Luft geschleudert.

Das Problem ist, dass Mainstream-Forscher „Ockhams Rasiermesser“ ernst nehmen. Die Idee, dass diejenigen Theorien vorzuziehen sind, die mit weniger Annahmen auskommen. „Annahmen“ sind natürlich immer nur solche Vorstellungen, die nicht bereits Teil des anerkannten Systems von Überzeugungen sind. Eine ganz ähnliche Herangehensweise impliziert der viel zitierte Ausspruch „Extraordinary claims require extraordinary proof“. Dass ein solcher Leitsatz zutiefst benachteiligend gegenüber revolutionär neuen Sichtweisen ist, wird meist ausgeblendet. Warum sollte die Bestätigung einer Theorie mehr Beweise erfordern als die Bestätigung einer anderen? Der Urheber dieses Satzes, Marcello Truzzi, Soziologe und Gründer der Skeptiker-Vereinigung, hat diese Formulierung deshalb später bereut und sich deutlich von ihr distanziert. Die Skeptiker-Bewegung hat er schnell wieder verlassen, da die Arroganz der Beteiligten unerträglich wurde. Er nannte die Mitglieder von da an „Pseudoskeptiker“.
Die Radikalisierung der Wissenschaft durch solche „Pseudoskeptiker“ á la Richard Dawkins und Co. ist ein relativ junger, aber sich enorm beschleunigender Prozess. In einer Umfrage unter Wissenschaftlern des American Institute for the Advancement of Science ergab 1982, dass 29 Prozent der Teilnehmer von der Existenz außersinnlicher Wahrnehmung überzeugt waren. Weniger als zehn Jahre später, im Jahr 1991, fand eine andere Studie an der National Academy of Sciences heraus, dass nur noch vier Prozent der Wissenschaftler daran glauben. Nur zehn Prozent gaben an, dass es in ihren Augen überhaupt Sinn machen würde das Phänomen zu untersuchen. So unglaublich es klingt: 90 Prozent der Forscher behaupten, dass es sich nicht einmal lohnt die Existenz solcher Vorkommnisse in Betracht zu ziehen! Was ist aus der Neugierde für das Unbekannte geworden? Sind sie tatsächlich so gefangen in ihrer liebgewonnenen Weltsicht?

5546e1a9e700d50abb7a78d940f0d8a7
Bild mit Zitat zu dem brillanten Film Interstellar.

Auch das Princeton Engineering Anomalies Research Institut hat 2007 nach fast 30 Jahren seine Pforten geschlossen. Wissenschaftliche Anerkennung hat die dortige parapsychologische Forschung, trotz beeindruckender Resultate, nie erhalten. Eine der Kritiken, die gegen die Experimente vorgebracht wurde, war sogar, dass zu viele (!) Personen daran teilgenommen hätten und die Statistik dadurch nicht mehr verlässlich wäre. Das ist vor allem dann der Gipfel der Absurdität, wenn man bedenkt, dass Forschungsprojekte in der Regel dafür gerügt werden, eine zu geringe Stichprobengröße zu haben. Diese Bemängelungen sind ganz einfach, wie die meisten anderen Einwände gegen solche Ergebnisse, eine Verlegenheitslösung. Wenn man nicht mehr weiß, was man an einer Studie aussetzen kann, dann wird in der einen oder anderen Form wieder das altbekannte „Extraordinary claims require extraordinary proof“ vorgebracht und damit ist sichergestellt, dass die Forderung niemals erfüllt werden kann.
Die Wissenschaft ist dazu übergegangen nicht mehr nur Vorkommnisse, die sie mit ihren gegenwärtigen Mitteln nicht beantworten kann, zu ignorieren, sondern sie leugnet die Möglichkeit, dass diese wahr sind, einfach grundsätzlich. Anstatt zu sagen, die Wissenschaft kann nicht beantworten ob es eine unsterbliche Seele gibt, wird es als unbestreitbare Tatsache hingestellt, dass so etwas nicht existieren kann. Anstatt zu sagen, wir wissen nicht ob es einen Gott gibt, werden Gläubige einfach als naiv, geistesgestört oder dumm dahingestellt.

Einer der Gründe dafür ist, dass ein Wissenschaftler und ein Denker zwei vollkommen verschiedene, ich würde sogar behaupten fast gegensätzliche Dinge sind. Ein hervorragender Wissenschaftler muss keineswegs ein tiefgründiger Denker sein. Und umgekehrt sind brillante Denker mindestens ebenso häufig miserable Wissenschaftler. Mit Denker meine ich hier die Form von intellektuellen Führern, wie sie vor dem Siegeszug der modernen Wissenschaften vorhanden waren: Schamanen, Priester, Philosophen etc. Während die reduktionistischen Forscher unseres Zeitalters mit dem Skalpell die Welt sezieren und ihre Bestandteile katalogisieren, werden die heute als überholt betrachteten holistischen Denker von Visionen und Intuitionen inspiriert. Durch die Brille der Wissenschaftler betrachtet man Erfahrungen in möglichst einfachen und bekannten Begriffen, so dass man daraus ein mit dem Rest des vorhandenen Weltbildes kompatibles Puzzleteil konstruieren kann. Durch die Brille des Denkers sieht man hingegen das Mystische und Unbekannte, ohne den Zwang zu verspüren es in bereits existierende Kategorien zu pressen. Das heißt keineswegs, dass Wissenschaftler nicht denken, aber das logische Denken der Wissenschaft ist mechanischer, steriler und vor allem konservativer als das zwanglose Denken spiritueller Menschen. Das „primitive“ kindliche Denken, das über die selbstverständlichsten Sachverhalte staunen kann, ist nicht daran interessiert ein konsistentes System zu entwerfen. Der Glaube an Wunder ist lebendig in ihm.
Natürlich soll das keine Aufforderung sein, jeder Wahnvorstellung hinterherzurennen, aber man sollte auch nicht allen glauben, die einem weiß machen wollen, dass sie die einzig richtige Antwort kennen. Ein gesundes Maß an Offenheit ist notwendig; für die Menschlichkeit und für den Fortschritt.

Doch das sogenannte Irrationale macht Wissenschaftlern und einem Großteil der Bevölkerung heutzutage Angst. Das betrifft das Verhalten ihrer Mitmenschen, aber auch unberechenbares Verhalten ihrer Umwelt im Allgemeinen. Man ist risikoscheu geworden.
William James hat in seinem bewegenden Text Der Wille zum Glauben folgendes geschrieben:

Biologisch betrachtet ist unser Geist ebenso bereit, das Falsche herauszubringen, wie das Wahre, und wenn jemand sagt: ‚Lieber bleibt für immer ganz ohne Glauben, als dass ihr eine Lüge glaubt!‘ – so zeigt er lediglich, dass bei ihm persönlich die Angst, angeführt zu werden, vorwiegt. Er mag sich vielen seiner Hoffnungen und Befürchtungen gegenüber kritisch verhalten, aber dieser einen Furcht gehorcht er sklavisch. Er kann sich nicht denken, dass irgendjemand ihre bindende Kraft in Frage stellen könnte. Ich meinesteils habe auch Angst vor dem Angeführt werden; aber ich kann mir vorstellen, dass uns in dieser Welt doch noch Schlimmeres zustoßen kann, als dies.

Die Anhänger der fundamentalistischen Wissenschaft können sich gegenwärtig anscheinend nichts Schlimmeres vorstellen. Das ist der Grund warum sie Theologen und Esoteriker bereits ins Lächerliche gezogen haben und immer häufiger auch die Philosophie angreifen. Weil es auf diesen Gebieten normalerweise nicht um empirisches Wissen geht, das vorhandene Annahmen unterstützt. Häufig geht es sogar primär um „verrückte“ Überlegungen, die es wagen den Status Quo in Frage zu stellen und versuchen alles was wir zu wissen glauben über den Haufen zu werfen. Der Wissenschaftler kann das nicht verstehen. Er muss eine Reihe autistischer Wesenszüge aufweisen, einen Hang zu geregelten Abläufen und stringenten Vorgehensweisen und eine Abneigung gegen zu radikale Veränderungen. Wohingegen der Denker schizophrene Charaktermerkmale mit tollkühnem und assoziativen Denken zeigen muss. Es scheint eher selten zu sein, dass beides zugleich besonders ausgeprägt in einem Individuum auftritt. Wir nennen das dann „Genie“.

6351870
Bild zu dem Film Kon-Tiki über Thor Heyerdahl, der mit einem Floß von Südamerika nach Polynesien fuhr um zu beweisen, dass dies schon vor 1500 Jahren möglich war.

In vergangenen Zeitaltern waren die Menschen Entdecker. Wir brachen auf zu unbekannten Ufern ohne zu wissen, ob diese überhaupt existieren. In winzigen Flößen auf unendlichen Ozeanen, ohne konkretes Ziel. Die Hoffnung allein war Grund genug zu glauben, dass uns dort draußen Neues erwartet. Die Forscher glaubten nicht nur an eine Welt jenseits des Horizonts, sondern auch jenseits der materiellen Welt.
Doch dieses Feuer in uns ist erloschen. Wir sind überzeugt im Großen und Ganzen alles zu wissen. Alles zu kennen.
Ludwig Wittgenstein sagte einmal:

Man has to awaken to wonder – and so perhaps do peoples. Science is a way of sending him to sleep again.

Das ist heute eine größere Wahrheit als je zuvor.
Wir brauchen Mythen. Denn Mythen ermutigen uns. Sie wecken uns aus der Apathie, die die Selbstzufriedenheit so leicht erzeugt.
Warum sollten wir das Unglaubliche erforschen? Warum sollten wir den Sprung ins Ungewisse wagen, gegen jede Chance?
Weil das Universum seltsamer ist als wir uns vorstellen können. Weil die Welt ein Geheimnis ist. Weil wir es können. Und weil es heißt zu leben.

Der Sommer war so wie dein Haus,
drin weißt du alles stehn –
jetzt musst du in dein Herz hinaus
wie in die Ebene gehn.
Die große Einsamkeit beginnt,
die Tage werden taub,
aus deinen Sinnen nimmt der Wind
die Welt wie welkes Laub.
Rainer Maria Rilke

Links:

http://www.worlditc.org/f_07_senkowski_analysis.htm

http://www.tcm.phy.cam.ac.uk/%7Ebdj10/propaganda/

https://www.scientificexploration.org/journal/volume-25-number-4-2011

http://www.campbellmgold.com/archive_esoteric/hopkinsville_goblins_aug_1955.pdf

http://dyatlov-pass.com/page.php?language_id=1&id=12786

http://theshadowlands.net/jd.htm

https://www.sott.net/article/229112-John-Keel-and-His-Adventures-into-Unreality

https://hoiabaciuforest.com/

http://motherboard.vice.com/read/the-scientists-who-believe-in-ghosts

https://blogs.scientificamerican.com/cross-check/brilliant-scientists-are-open-minded-about-paranormal-stuff-so-why-not-you/

https://blogs.scientificamerican.com/beautiful-minds/how-is-creativity-differentially-related-to-schizophrenia-and-autism/